Treppenhausnutzung bei Mietwohnungen

In Mehrfamilienhäusern kommt es nicht selten zu Streit, weil das Treppenhaus als Ablagefläche missbraucht wird. Solche Streitigkeiten können durch das Aufstellen von klaren Regeln vermieden werden.

07_mietrecht_nutzung_6_quer
Das Treppenhaus gilt nicht als Wohnraum oder Estrich und darf nicht als Ablagefläche benutzt werden.

(pht) Die Versuchung ist gross: In der Wohnung fehlt der Platz für ein Schuhgestell – warum dieses nicht einfach im Treppenhaus platzieren? Der Abfallsack ist voll, die Abfuhr kommt allerdings erst übermorgen. Bis dahin kann der Sack doch eigentlich im Treppenhaus stehen. Oder vielleicht doch nicht? Rechtlich gesehen ist der Fall klar: Das Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses darf im Prinzip nur für seinen eigentlichen Zweck benutzt werden. Dieser besteht darin, dass die Mieter bzw. Wohnungseigentümer sowie Besucher zur jeweiligen Wohnung gelangen können. Darüber hinaus ist es einzig erlaubt, eine Fussmatte vor die Wohnungstür zu legen.

Gefährliche Durchgangsbehinderungen

Weiterreichende Nutzungen des Treppenhauses müssen in jedem Fall von der Eigentümerschaft des Hauses bewilligt werden. Diese sollte bei der Einwilligung in solche Nutzungen unbedingt beachten, dass es auf keinen Fall zu Durchgangsbehinderungen im Treppenhaus kommt. Dies ist nicht nur lästig für die übrigen Parteien, es kann im Notfall – wenn die Feuerwehr oder die Notfallärzte auf ein störungsfreies Durchkommen angewiesen sind – verheerende Folgen haben.

Generell ist die Eigentümerschaft gut beraten, wenn sie weiterreichende Nutzungen des Treppenhauses ablehnt. Sie läuft sonst Gefahr, dass sie am Ende mehr bewilligen muss, als sie eigentlich wollte. Denn wenn bereits ein Schuhgestell im Treppenhaus steht, kann derselbe Wunsch einer anderen Partei kaum abgelehnt werden, auch wenn dieses zweite Schuhgestell möglicherweise mehr Platz beansprucht als das bereits bewilligte.

Kein erweiterter Wohnraum

Weiter sollte die Eigentümerschaft darauf achten, dass es im Treppenhaus nicht zu unnötigen Lärm- und Geruchsbelästigungen kommt. Das Treppenhaus ist gewiss kein idealer Kinderspielplatz und eignet sich auch kaum als Konzertsaal. Müllsäcke können unangenehme Gerüche (oder gar Pfützen) verbreiten und sollten deshalb nicht im Treppenhaus zwischengelagert werden. Auch ein Rauchverbot im Treppenhaus ist mit Rücksicht auf die nicht rauchenden Hausbewohner ratsam.

Das Treppenhaus ist kein erweiterter Wohnraum, sondern ein reines Mittel zum Zweck. Wenn alle Bewohner dies beherzigen, steht einem freundnachbarlichen Verhältnis ganz bestimmt nichts im Weg – zumindest nicht das Chaos im Treppenhaus.



Zusätzliche Informationen

ImagePoint (angeliq.ch Photography) Artikel drucken