Nachbarrecht und Tierhaltung

Von Hunden und Katzen über Nager aller Art bis hin zu Schlangen und Echsen - in der Schweiz leben mittlerweile gegen acht Millionen Haustiere. Sie erfreuen ihre Besitzer, nicht selten aber stellen sie auch das Verhältnis zu den Nachbarn auf die Probe. In diesem Fall gilt es, kühlen Kopf zu bewahren.

Haustiere erfreuen ihre Besitzer, nicht selten aber stellen sie auch das Verhältnis zu den Nachbarn auf die Probe.
Haustiere erfreuen ihre Besitzer, nicht selten aber stellen sie auch das Verhältnis zu den Nachbarn auf die Probe.

(pg) Haustiere geniessen hierzulande einen hohen Stellenwert. Katzen und Hunde sind die mit Abstand beliebtesten Haustiere und immer mehr nehmen sie heute eine wichtige Rolle als soziale Begleiter des Menschen ein, als Tröster bei Einsamkeit und Krankheit bis hin zum Lebenspartner- und Kinderersatz. Doch nicht alle Menschen teilen diese Euphorie. Zahlreich sind die Klagen über Hundekot im Garten, die übel riechende Katzentoilette auf der Terrasse, bellende Hunde und krächzende Papageien.

Rücksichtnahme und Toleranz

Wer sich durch tierischen Lärm oder Gestank gestört fühlt, sollte zuerst das Gespräch mit den Tierbesitzern suchen, denen das Problem oftmals gar nicht bekannt ist. Selbstverständlich darf von Haustierbesitzern Rücksichtsnahme erwartet werden, ebenso aber ist auch Toleranz von den Nachbarn gefordert. Denn gewisse Einwirkungen ihrer Nachbarn müssen Immobilienbesitzer einfach hinnehmen.

Wann ist Lärm und Gestank übermässig?

Lässt sich aber im gut nachbarschaftlichen Verhältnis keine Lösung finden, ist der Weg zum Richter eine Möglichkeit. Dieser muss feststellen, ob die nachbarschaftliche Rücksichtnahmepflicht gemäss Art. 684 des ZGB verletzt worden ist. Das Nachbarrecht verpflichtet jedermann dazu, bei der Ausübung seines Eigentums sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten, wozu auch übler Geruch und Lärm zu zählen sind.

Es gibt eindeutige Fälle, die nicht einfach hingenommen werden müssen. Der krähende Hahn, der im Sommer morgens um 5 für Tagwache sorgt, ist so ein Unding. Je nach Wohnlage kann denn auch durchaus verlangt werden, dass der Hahn in der Nacht nicht im Freien sein darf.

Doch selten ist die Ausgangslage eindeutig und dann stellt sich die Frage, wann eine negative Einwirkung noch zu dulden und wann sie übermässig ist. Viele Menschen fühlen sich generell durch Hundegebell gestört, andere sind toleranter, wollen es aber auch nicht hinnehmen, wenn der Nachbarshund jede Bewegung im Garten mit minutenlangem Bellen und Knurren quittiert.

Besonders schwierig ist die Beurteilung der Situation, wenn es sich beim Streitobjekt um eine Katze handelt. Im Gegensatz zu Hunden können Katzen nicht beaufsichtigt werden und gelten als nicht domestizierbar.  

Nicht überreagieren

Wie so oft im gut nachbarschaftlichen Verhältnis sollte auch bei Streitigkeiten, die durch das Verhalten eines Haustieres hervorgerufen werden, nicht überreagiert werden. Wenn anzunehmen ist, dass das Haustier beim Nachbarn einen Schaden verursacht hat, sollten die Tierhalter den Schaden auch begleichen. Die gängigen Privathaftpflichtversicherungen kommen in der Regel für von Haustieren verursachte Schäden auf. Verrichtet ein Hund bei den Nachbarn im Garten seine Notdurft, räumt der Hundebesitzer den Kot weg. Kräht der Papagei den ganzen Tag, hält der Besitzer die Fenster geschlossen.

Wer mit der Situation nicht zufrieden ist, sollte das Gespräch mit den Tierbesitzern suchen. Denn man muss sich immer darüber im Klaren sein, dass Konflikte unter Nachbarn nur selten auf dem Rechtsweg zu lösen sind.

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