Nachbarrecht für Stockwerkeigentümer

Ein Stockwerkeigentümer ist Mit- und nicht Alleineigentümer einer Liegenschaft. Entscheide, welche die Liegenschaft als Ganzes betreffen, darf er deshalb nicht allein fällen. Diese spezielle Eigentumsform kann zu Spannungen innerhalb der Stockwerkeigentümergemeinschaft führen.

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Aufgrund des Zusammenlebens auf vergleichsweise engem Raum ist im Stockwerkeigentum Lärm ein häufiger Stein des Anstosses.

(mei) Seien es die Gestaltung der gemeinsam genutzten Gartenfläche oder die mittel- und langfristigen Sanierungsmassnahmen nach einem Schadenereignis – die Stockwerkeigentümer und Stockwerkeigentümerinnen entscheiden darüber in ihrer Versammlung. Die Beschlüsse sind für alle Stockwerkeigentümer verbindlich, d.h. Miteigentümer, die überstimmt werden, müssen sich an sie halten. Es überrascht deshalb nicht, dass bei Konflikten unter den einzelnen Stockwerkeigentümern die Nutzung oder der Unterhalt der gemeinschaftlichen Teile ein häufiger Streitpunkt ist. Aufgrund des Zusammenlebens auf vergleichsweise engem Raum ist auch Lärm ein häufiger Stein des Anstosses.

Regeln innerhalb der Gemeinschaft

Die Nutzung der gemeinschaftlichen Teile wird in vielen Stockwerkeigentumsgemeinschaften im Reglement und / oder in der Hausordnung näher erläutert. Für Immissionen wie Lärm gilt, dass sie nicht übermässig sein dürfen. Die Definition der Übermässigkeit richtet sich nach dem Gesetz, dem Stockwerkeigentümerreglement und, falls vorhanden, der Hausordnung. Für Mieter, die in einer Stockwerkeigentumsgemeinschaft leben, gelten dieselben Pflichten wie für die Stockwerkeigentümer.

Wie man sich gegen Miteigentümer zur Wehr setzt

Kommt es zum Streit mit einem Miteigentümer, sollte man zunächst versuchen, in einem Gespräch eine Einigung zu erzielen. Häufig reicht es aus, die andere Partei darauf hinzuweisen, wie sich die Situation laut Gesetz, Reglement oder Hausordnung darstellt. Bringt dies nicht den gewünschten Erfolg, kann der betroffene Eigentümer sein Anliegen bei der Stockwerkeigentümerversammlung vortragen. Falls die Versammlung nicht in seinem Sinne entscheidet, stehen ihm rechtliche Schritte wie die nachbarrechtliche Klage oder die Besitzesschutzklage offen.

Streitigkeiten mit Dritten

Bei Auseinandersetzungen mit Nachbarn, die nicht in der Stockwerkeigentumsgemeinschaft leben, kann man grundsätzlich alleine oder als Gemeinschaft vorgehen. Es ist ratsam, die Gemeinschaft entscheiden zu lassen, welche der beiden Massnahmen gewählt werden sollte. Vor einem Alleingang sollte auch die Position der anderen Stockwerkeigentümer abgeklärt werden, damit sich diese in einem Gerichtsverfahren nicht gegen den Miteigentümer wenden können. Ein Alleingang ist nicht möglich, wenn die Gemeinschaft als Ganzes betroffen ist, beispielsweise wenn ein Vertrag zwischen der Gemeinschaft und einer Drittpartei abgeschlossen werden soll oder falls ein solcher bereits besteht.

Tipps

  • Ein Stockwerkeigentümer hat meist einen Grossteil seines Vermögens in das Miteigentum gesteckt und kann im Streitfall nicht einfach ausziehen. Auch in oder nach einem Konflikt innerhalb der Gemeinschaft kann man der Gegenpartei nicht so leicht aus dem Weg gehen. Ein freundliches, aber distanziertes Verhältnis zu den Nachbarn kann manchem Streit vorbeugen.
  • Wer sich für Miteigentum in einer bestehenden Gemeinschaft interessiert, sollte das aktuell geltende Reglement (das nicht immer das im Grundbuch angemerkte ist) und die Protokolle der Eigentümerversammlungen gut durchlesen. Darin sind Konflikte innerhalb und ausserhalb der Gemeinschaft festgehalten. Dies gewährt einen guten Einblick in die Art und Weise, wie die Stockwerkeigentümer untereinander und mit den Nachbarn auskommen.

Zusätzliche Informationen

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