Bodenbeschaffenheit des Baugrunds prüfen

Der Erwerb von Bauland birgt auch Risiken: Die Bodenbeschaffenheit und der Wassergehalt können den Aufwand für den Aushub erheblich erhöhen. Vertiefte Expertisen sind frühzeitig einzuholen.

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(knü) Aufgepasst vor dem Kleingedruckten: Wer ein Fertighaus inklusive offerierter Tiefbauleistungen bestellt, kauft auch die Qualität des Baugrunds mit ein. Die Kostenschätzungen für Aushub oder Entwässerungsgraben gelten nämlich nur, wenn die Bodenklasse 3, 4 oder 5 beträgt. Das ist zwar gut gemeint, weil dann der Untergrund locker, aber nicht felsig ist. Doch zum einen ist zweifelhaft, ob sich Bauherren über die Bodenbeschaffenheit bereits Gedanken machen. Und zum anderen sind die Bodenkategorien 1 bis 7 in der Schweiz – anders als in Deutschland – nicht bekannt. Baufachleute warnen deshalb vor der «Katze im Sack» und weisen daraufhin, dass das Fundament für ein Fertighaus besonderen Präzisionsansprüchen zu genügen hat. Auch Sand- oder Toneinschlüsse können zu instabilen Verhältnissen im Baugrund führen. Und sollte der Bagger einmal unverhofft auf felsigen Untergrund stossen, ist meistens mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen.

Analyse mit Baggerschlitz

«Die Verhältnisse im Boden sind nie zu unterschätzen», rät Brian Steiner, Sachbearbeiter für Geotechnik und Geophysik, EBERHARD und Partner AG, den angehenden Bauherrschaften. Eine unabhängige Baugrundexpertise lohne sich daher fast immer. Denn selbst innerhalb einer Bauparzelle kann sich die Bodenbeschaffenheit stark unterscheiden. «Es kommt durchaus vor, dass wir einem Bauherren empfehlen, das Gebäude aus Stabilitätsgründen innerhalb des Grundstücks anders zu platzieren», so Steiner. Und an einem anderen Ort sei dem Architekten geraten worden, auf ein abgestuftes Kellerfundament zu verzichten und dieses flächig zu gestalten. Daher gilt: «Je feinmaschiger der Untersuchungsraster festgelegt wird, umso präziser kann die Geologie der Bauparzelle charakterisiert werden. In den meisten Fällen aber genügt es, die Bodenschichten anhand eines Baggerschlitzes zu analysieren», erklärt Steiner, der als Fachperson jeweils zur Begutachtung vor Ort bei gezogen wird. Aber nicht erst vor Baubeginn, sondern bereits vor dem Erwerb des Grundstücks sind die abschliessenden Erkenntnisse über Zusammensetzung und Schichtung im Baugrund gefragt – ebenso wie klärende Informationen zur Schadstoffbelastung im Boden. «Liegen solche detaillierten Grundlagen nicht vor, ist der Kauf von Liegenschaften immer mit unnötigen, Wert mindernden Risiken behaftet», warnt Brian Steiner. Dazu schätzt ein Geologe die spezifischen Anforderungen aus dem jeweiligen Bauprojekt ab und stellt diese der vor Ort verifizierten Baugrundklasse gegenüber. Bei letzteren handelt es sich um das Pendant zu den in Deutschland verwendeten «Bodenklassen».

Erdbebensicherheit ist gefragt

Die nach einer SIA-Norm definierten Baugrundklassen teilen den Untergrund (bis in eine Tiefe von bis zu 30 Metern) in die Kategorien A bis E ein. A meint harten Fels, während dem sind mit F statisch instabile Böden gemeint. Weil die Baugrundklassen bei der Planung erdbebensicherer Gebäude zu berücksichtigen sind, werden diesbezügliche Angaben teilweise auch von den Behörden gesammelt und veröffentlicht. So sind regionale Aussagen zur Bodenbeschaffenheit zum Beispiel für Basel, Luzern oder auch für die Westschweiz erhältlich. Doch auch dabei gilt: Um Gewissheit über die Bodenbeschaffenheit im konkreten Fall zu erhalten, können und wollen die Baubehörden keine Garantien übernehmen. Der private Bauherr und Grundstückbesitzer haftet in jeden Fall. Was bleibt ist, einen unabhängigen Geologen beizuziehen.

Baugrundklassen

Baugrundklasse

Charakteristik

Bemerkungen

A

 

  • Harter Fels (z. B. Granit, Gneis, Quarzit, Kieselkalk, Kalk)
  • Weicher Fels (z. B. Sandstein, Nagelfluh, Juramergel, Opalinuston) unter Lockergestein (max. 5 m Überdeckung)

Felsige, kompakte Böden

B

 

  • Ablagerungen von grossräumig zementiertem Kies und Sand und/oder vorbelastete Lockergesteine mit einer Mächtigkeit über 30 m 

Felsige, kompakte Böden

C

 

  • Ablagerungen von normal konsolidiertem und zementiertem Kies und Sand und/oder Moränenmaterial mit einer Mächtigkeit über 30 m 

Stabile Böden mit Lockergestein

D

 

  • Ablagerungen von nicht konsolidiertem Feinsand, Silt und Ton mit einer Mächtigkeit über 30 m

Instabile Böden mit Lockergestein

E

 

  • Alluviale Oberflächenschicht der Baugrundklassen C oder D mit einer Mächtigkeit zwischen 5 und 30 m über einer steiferen Schicht der Baugrundklassen A oder B

Stabile bis instabile Böden mit Lockergestein

F1

 

  • Strukturempfindliche und organische Ablagerungen (z. B. Torf, Seekreide) mit einer Mächtigkeit von über 10 m

Instabile Böden

F2

 

  • Aktive Rutschungen oder Rutschungen, bei denen eine Reaktivierung wahrscheinlich ist

Instabile Böden

Zusätzliche Informationen

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