Hanglagen oder Grundwasser sorgen oft für heiklen Baugrund

Für Bauherren ist der Erwerb eines Grundstücks der erste konkrete Schritt. Davor aber lohnt es sich, die Beschaffenheit des Untergrunds genauer abzuklären.

Geologen warnen Bauherrschaften immer häufiger davor, sich angesichts der knapper werdenden Landressourcen auf heiklen Baugrund zu begeben.
Geologen warnen Bauherrschaften immer häufiger davor, sich angesichts der knapper werdenden Landressourcen auf heiklen Baugrund zu begeben.

(knü) In der Schweiz wird munter gebaut. Geologen warnen Bauherrschaften aber immer häufiger davor, sich angesichts der knapper werdenden Landressourcen auf heiklen Baugrund zu begeben. Zwar gilt nach Sascha Bleuler, Mitinhaber des Büros für Ingenieurgeologie (B-I-G), die Regel, wonach  «je flacher das Gelände ist, umso unproblematischer sind bauliche Eingriffe». Doch auch unter einer ebenen Bauparzelle können sich heikle Verhältnisse verbergen. So befindet sich in Seenähe beispielsweise oft feinkörniger Untergrund, der eine schlechte Tragfähigkeit besitzt sowie Setzungen im Gebäudefundament verursachen kann. Kommt dazu, dass in dieser Lage ab und an mit Hochwasser zu rechnen ist. Um solchen Gefahren aus dem Weg zu gehen, werden Wohnhäuser beispielsweise auf ein Fundament mit Pfählen gestellt. Geotechnisch problematisch wird der Baugrund zudem durch lehmhaltige Schichten. Daher sind auch Schwemm- und Verlandungsböden sowie Hanglagen sehr oft für instabile Verhältnisse im Untergrund bekannt. Allgemein weniger heikel zu beurteilen ist dagegen, wenn der Baugrund in eine Schotter- und Moränenablagerung zu liegen kommt.

Vorinformationen verfügbar

Die wenigsten Bauherren wissen über die genaue Beschaffenheit des Untergrunds Bescheid. Mit geologischen Voruntersuchungen lässt sich hingegen frühzeitig vieles klären. Insbesondere wird dadurch das Risiko minimiert, beim Aushub der Baugrube irgendwelche Schäden zu erleiden. «Solche Analysen liegen im Bereich von einigen Promille der Baukosten. Sie sparen aber schnell den zehnfachen Betrag für eine allfällige Schadensbehebung ein», erklärt Geologe Bleuler. Denn mit dem Grundstückerwerb übernimmt der Eigentümer jegliches Risiko, das bei einem Eingriff in den Baugrund besteht. Wichtige Erstinformationen lassen sich jedoch vom Laien beschaffen: Insbesondere die Naturgefahrenkarten geben für jede Gemeinde an, wo mit Überschwemmungen oder einer Rutschgefahr zu rechnen ist. Ausserdem ist es ratsam, die kantonalen Fachstellen zu kontaktieren. Nutzungsbeschränkungen und schwerwiegende Gefahren sind in den meisten Kantonen bereits parzellenscharf ausgewiesen.

Aber selbst vermeintlich harmlose Eingriffe können unerwünschte Folgen haben: Eine Baugrube im steilen Gelände erhöht automatisch die Rutschgefahr in unmittelbarer Umgebung. Gleichzeitig ist sie selber oft auch an den Böschungen zu sichern. Das Hangwasser deswegen abzuleiten oder den Aushub in Etappen auszuführen sind keine aufwändigen, aber durchaus wirkungsvolle Massnahmen. «Daran überhaupt zu denken, ist jedoch nur aufgrund einer fachkundigen Analyse möglich», sagt Sascha Bleuler. Die Eigenschaften des Untergrundes sind mit Vorteil bekannt, so dass das geplante Bauwerk darauf ausgelegt werden kann.

Rissprotokoll erstellen

Ungemütlich kann die Situationen für einen Bauherrn zudem werden, wenn der instabile Untergrund ein Nachbargrundstück bedroht. Vor Inangriffnahme der Bauarbeiten wird als zusätzliche Haftungsmassnahme empfohlen, ein Rissprotokoll für die Nachbargebäude aufzunehmen. Öffentlich verlangt werden kann dieses Protokoll kaum; jedoch der Nutzen ist für den Bauherrn ausgewiesen, «zumal es vor ungerechtfertigten Beanstandungen im Schadensfall schützt», so Sascha Bleuler. Die Kosten hat der Baugrundbesitzer einzurechnen, denn er bleibt – mit oder ohne Schaden – in jedem Fall beweispflichtig.

Zusätzliche Informationen

ImagePoint (Jo Montana) Artikel drucken