ES-Prävention: Wider die Steinschlaggefahr

Das Dörfchen Nidfluh oberhalb von Därstetten liegt in einem von Steinschlag bedrohten Gebiet. Eine neue Schutzverbauung hat die Gefahr nun gebannt.

Nidfluh befindet sich malerisch an einem Hang oberhalb von Därstetten.
Nidfluh befindet sich malerisch an einem Hang oberhalb von Därstetten.

(mei) Malerisch ist es in Nidfluh: Die braunen Schilder des Simmentaler Hauswegs zeugen von einer Bergidylle, und auch die Aussicht ins Tal und zur Niesenkette ist beeindruckend. Doch dem zur Gemeinde Därstetten gehörenden Dörfchen droht Gefahr vom Hang oberhalb, dem Fluegrind. Dies wird aus der Gefahrenkarte ersichtlich, welche das Büro für Ingenieurgeologie B-I-G im Jahr 2004 erstellte. Das Dorfgebiet ist darin teils rot, teils blau markiert, was auf eine erhebliche bzw. mittlere Gefährdung hinweist. Bauten sind deshalb entweder gar nicht mehr gestattet oder nur noch mit der Auflage, dass gleichzeitig Schutzmassnahmen ergriffen werden.

Blick vom östlichsten Damm zum Simmentaler Haus des Ehepaars Gafner.
Blick vom östlichsten Damm zum Simmentaler Haus des Ehepaars Gafner.

Gemeinde Därstetten initiierte Präventionsmassnahmen

Nach der Erstellung dieser Gefahrenkarte geschah zunächst einmal nichts. Drei Jahre später kam jedoch ein Stein ins Rollen: Er rutschte vom Fluegrind bis auf die Strasse vor dem Haus des Ehepaars Gafner, welches den Vorfall der Gemeinde meldete. Vreni Gafner erinnerte sich daran, dass die beiden Geologen des Büros für Ingenieurgeologie B-I-G ihr seinerzeit sagten, sie lebe in einem gefährlichen Gebiet. Als wenig später einer ihrer Nachbarn seinen Spycher in eine Ferienwohnung umbauen wollte, erkannte die Gemeinde Därstetten den Handlungsbedarf. Zusammen mit Vertretern der Abteilung Naturgefahren des Amts für Wald des Kantons Bern erfolgte eine Besichtigung vor Ort. Die Gemeinde Därstetten liess daraufhin das Büro für Ingenieurgeologie B-I-G ein Projekt zum Schutz vor Steinschlag ausarbeiten.

Der Simmentaler Hausweg passiert etliche Ortschaften und lässt sich deshalb einfach unterbrechen - oder erweitern.
Der Simmentaler Hausweg passiert etliche Ortschaften und lässt sich deshalb einfach unterbrechen - oder erweitern.

Simmentaler Hausweg

Nidfluh ist mit gleich vier Gebäuden Teil des Simmentaler Hauswegs, der auf einer Tal- und einer Terrassenroute von Wimmis nach Boltigen führt und 39 Häuser umfasst, an denen die traditionelle Zimmermannskunst besonders schön zum Ausdruck kommt. Der Simmentaler Hausweg passiert etliche Ortschaften und lässt sich deshalb einfach unterbrechen – oder erweitern: Von Boltigen aus erstreckt sich der Obersimmentaler Hausweg mit nochmals 39 Häusern bis in die Lenk.

Der Kampf ums Geld

Bevor die Gemeinde Därstetten zur Realisation der vorgeschlagenen Schutzmassnahmen schreiten konnte, musste sie erst die Finanzierung von 140'000 Franken klären, welche die Steinschlagprävention kosten sollte. Bund und Kanton sicherten Subventionen im Umfang von 35 % bzw. 46 % der Bausumme zu, während die Gemeinde einen Beitrag von 10'000 Franken beisteuerte. Der Rest musste von den Wohneigentümern in Nidfluh übernommen werden. Nachdem sich einer von ihnen mit 10'000 Franken beteiligte, blieb für die übrigen Eigentümer noch eine Summe von je 1500 Franken zu bezahlen. Scheinbar wenig Geld für Massnahmen, welche die Steinschlaggefahr so gut bannen, dass das Gebiet auf der Gefahrenkarte gelb eingezeichnet werden konnte – was privates Bauen wieder einfach möglich machte. «Wir haben das Projekt von Anfang an befürwortet und die Kosten von 1500 Franken gern übernommen», sagt Vreni Gafner. Das gilt jedoch nicht für alle ihre Nachbarn. Zwei von ihnen wollten nicht zur Kasse gebeten werden, da sie weder die Gefahr von Steinschlag anerkannten noch im Sinne hatten, zeitlebens aus- oder anzubauen. «Es brauchte etliche Gespräche und Appelle an die Solidarität, um sie umzustimmen», sagt Lorenz Ueltschi, Gemeindeschreiber von Därstetten.

Die Schutzverbauung umfasst drei Dämme und ein Netz.
Die Schutzverbauung umfasst drei Dämme und ein Netz.

Dämme und Netze

Entstanden ist daraufhin eine Schutzverbauung mit drei Dämmen und einem Netz. Die Dämme sind insgesamt knapp 150 Meter lang und weisen eine Wirkungshöhe zwischen zwei und drei Metern auf. Das heisst, dass sie Felsbrocken bis in diese Höhe aufhalten könnten. Möglich macht dies ein Graben hangaufwärts vor dem Damm, dessen Aushub das Material für den Damm lieferte. Aufgrund der steilen Hanglage kommt an einer Stelle eine teurere Alternative zum Zug: Hier wurde ein 75 Meter langes Netz mit einer Wirkungshöhe von drei Metern errichtet. Seit der Fertigstellung im April 2009 hat sich die Natur bereits zurückgemeldet: Die ersten Pflanzen spriessen schon auf den Dämmen. «Ziel ist es, dass die Dämme ganz bewachsen werden», so Ueltschi. Die Gräben und Netze müssen hingegen alle paar Jahre ausgeräumt werden. Für den Unterhalt der Anlage kommt die Gemeinde Därstetten auf.

Steine im Graben zeugen vom Steinschlag am Fluegrind.
Steine im Graben zeugen vom Steinschlag am Fluegrind.

Rechtzeitig fertiggestellt

Auf ihre Feuerprobe mussten die Schutzmassnahmen nicht lange warten: Schon zwei Wochen nach ihrer Fertigstellung konnten sie sich erstmals bewähren. Da verursachte ein Steinschlag eine ziemliche Delle in einem der Dämme – und das genau oberhalb des Simmentalerhauses von Gafners. Ueltschi ist deshalb vom Sinn dieser Schutzmassnahmen überzeugt. Die in den Gräben liegenden Felsbrocken geben ihm recht.

Unter dem Titel «Elementarschadenprävention – Eigentümer handeln» zeigen wir Ihnen Beispiele, mit welchen Präventionsmassnahmen Hauseigentümer ihr Gebäude gegen Elementarschäden schützen.

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