ES-Prävention: Wenn das Bächlein zum See wird

Um sein Gebäude gegen weitere Überschwemmungen durch den Lyssbach zu schützen, hat Stockwerkeigentümer Martin Gfeller viel investiert. Bevor es soweit war, musste er jedoch erst seine Miteigentümer vom Sinn der Massnahmen überzeugen.

Der harmlos wirkende Lyssbach überschwemmte 2007 grosse Teile des gleichnamigen Ortes.
Der harmlos wirkende Lyssbach überschwemmte 2007 grosse Teile des gleichnamigen Ortes.

(mei) Idyllisch und harmlos wirkt er, der Lyssbach in der gleichnamigen Ortschaft: Sein Ufer ist von Pappeln gesäumt, und eine Schar Enten unterstreicht das friedliche Bild. Doch der Schein trügt: 2007 trat der Bach gleich dreimal über die Ufer, wobei er am 29. August grosse Teile von Lyss überflutete.

Totalschaden im Keller

Betroffen war auch das Sechs-Parteien-Haus in der Nähe des Bachs, in dem Martin Gfeller und seine Frau eine Stockwerkeigentumswohnung haben. Nebst dem Garten stand das ganze Untergeschoss bis zur Decke unter Wasser. Was im Keller stand, erlitt einen Totalschaden, da das Öl des Lifts auslief und sich mit dem Wasser zu einer einzigen Schmiere verband. Das Resultat: Heizung, Waschmaschinen und Tumbler wie auch alle Maschinen aus Gfellers Bastelraum mussten entsorgt werden. «Es sah aus wie im Krieg», erinnert sich Gfeller, der damals als Zivilschutzkommandant im Dauereinsatz stand.

Gfeller liess seinen Garten als Sofortmassnahme gegen Überschwemmungen mit Gerüstbrettern einfassen.
Gfeller liess seinen Garten als Sofortmassnahme gegen Überschwemmungen mit Gerüstbrettern einfassen.

Suche nach geeigneten Schutzmassnahmen

Um die Ferien, die er einen Monat danach gebucht hatte, ungestört antreten zu können, ergriff Gfeller erste Massnahmen zum Schutz seiner Duplexwohnung. Für ungefähr 1000 Franken liess er seinen Garten mit zweireihigen, ca. 60 cm hohen Gerüstbrettern einfassen, die er mittlerweile aus ästhetischen Gründen an einigen Stellen auf die halbe Höhe reduziert hat. Nach seinem Urlaub strebte er jedoch einen dauerhafteren Schutz an, der preiswert und auch durch eine Frau einfach zu errichten sein musste. Zusammen mit einem Experten der Gebäudeversicherung Bern (GVB) klärte er zunächst die Frage, ob ein Terrainschutz oder lediglich ein Objektschutz sinnvoller sei. Ersteres erwies sich schnell als unverhältnismässig aufwändig, da das Wasser von verschiedenen Seiten her kommen könnte. Gfeller entschied sich deshalb dafür, das Gebäude gegen eindringendes Wasser zu schützen.

Der Hochwasserschutz umfasst beim Eingang zwei feste Mauern sowie einen mobilen Teil, der bei Bedarf installiert werden kann, und eine Erhöhung des Lichtschachts rechts des Eingangs.
Der Hochwasserschutz umfasst beim Eingang zwei feste Mauern sowie einen mobilen Teil, der bei Bedarf installiert werden kann, und eine Erhöhung des Lichtschachts rechts des Eingangs.

Gemeinschaftliche Lösung

Weil im Stockwerkeigentum Einzelmassnahmen wenig sinnvoll sind und für den gemeinschaftlichen Teil die Zustimmung der anderen Eigentümer nötig ist, leistete Gfeller in der Folge viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Die Gefahr wurde als gebannt betrachtet, zudem seien doch alle Kosten von den Versicherungen übernommen worden, tönte es ihm entgegen. Etwa ein Jahr dauerte es, bis Gfeller den Handlungsbedarf geltend machen und mit dem Argument der privaten Verantwortung seine Nachbarn ins Boot holen konnte.

Damit der Hochwasserschutz wirksam ist, wurde ein Betonfundament gelegt.
Damit der Hochwasserschutz wirksam ist, wurde ein Betonfundament gelegt.

Erhöhte Lichtschächte und mobiler Hochwasserschutz

Zu den Massnahmen der Stockwerkeigentümergemeinschaft gehörte die Erhöhung der Lichtschächte rund ums Gebäude. Weil einer der Schächte Teil eines privaten Parkplatzes war und eine Erhöhung den Parkplatz unbrauchbar gemacht hätte, entschloss sich die Eigentümerin, diesen Schacht stattdessen mit einem speziellen Glas abzudichten. Beim Hauseingang wurde zudem ein mobiler Hochwasserschutz angebracht, ebenso bei Gfellers Tür zum Gartensitzplatz. Dies erwies sich als komplizierter und teurer als gedacht: Weil die Stahlplatten dicht aufliegen müssen, waren die Gartenplatten als Untergrund nicht geeignet und mussten durch ein Betonfundament ersetzt werden. Als zusätzliche Sicherheit hat Gfeller auch seinen eigenen Wohnungseingang mit einem mobilen Hochwasserschutz ausgerüstet.

Die einzelnen Elemente des Schutzes müssen dicht sitzen, was mit einer Verschraubung erreicht wird.
Die einzelnen Elemente des Schutzes müssen dicht sitzen, was mit einer Verschraubung erreicht wird.

Gekostet haben die Massnahmen insgesamt rund 20'000 Franken, an welche die Bernische Stiftung zur Prävention von Gebäudeschäden der GVB einen Beitrag von gut 4000 Franken erbrachte. Gut 10'000 Franken gehen auf das Konto von Gfellers, der Rest wurde gemäss Wertquote auf die übrigen Stockwerkeigentümer verteilt.

Den Eingang zu ihrer Wohnung haben Gfellers zusätzlich gesichert.
Den Eingang zu ihrer Wohnung haben Gfellers zusätzlich gesichert.

Privates Engagement

Weil die besten Massnahmen nichts nützen, wenn man im Notfall nicht weiss, was zu tun ist, hat Gfeller mit den anderen Eigentümern das Aufstellen des mobilen Hochwasserschutzes eingeübt. Auch ans SMS-Alarmsystem der Gemeinde ist er angeschlossen, das ihn in einer dreistufigen Warnung auf das Ansteigen des Bachpegels aufmerksam macht. Um auch wirklich vor einer weiteren Überschwemmung gewappnet zu sein, stellt der den Schutz vorsichtshalber auf, wenn er und seine Frau wegfahren. «Diese 20 Minuten Aufwand sind es mir wert», sagt er dazu. Und hofft gleichzeitig, dass der Bach nicht wieder über die Ufer tritt.

Artikel-Reihe zum Thema Elementarschadenprävention

Unter dem Titel «Elementarschadenprävention – Eigentümer handeln» zeigen wir Ihnen Beispiele, mit welchen Präventionsmassnahmen Hauseigentümer ihr Gebäude gegen Elementarschäden schützen.

Wetter-Alarm bei Unwetter

infobox_wetter-alarm_v2_mittel

Jetzt die kostenlose Wetter-Alarm App herunterladen und rechtzeitig vor Unwetter gewarnt sein!

Mehr erfahren

Zusätzliche Informationen

hausinfo Artikel drucken