Gefahrenkarten der Kantone

Naturgefahren können enorme Schäden an Hab und Gut anrichten. Die Gemeinden sind allerdings verpflichtet, die Gefährdungspotenziale für das Siedlungsgebiet zu erheben und Vorsichtsmassnahmen anzuordnen.

Rot meint eine erhebliche Gefährdung, wodurch ein Gebäude als Ganzes zerstört werden kann. Blau markiert die mittlere Gefährdung und gelb gering gefährdete Gebiete.
Rot meint eine erhebliche Gefährdung, wodurch ein Gebäude als Ganzes zerstört werden kann. Blau markiert die mittlere Gefährdung und gelb gering gefährdete Gebiete.

(knü) Letztmals im August 2005 hatte massiver Regen viele Bergtäler und auch das Mittelland überschwemmt. Vor allem die Gemeinden und Kantone werden die Zeit seither sinnvoll genutzt haben: Denn zum einen hat sie der Bund verpflichtet, die Gefahrensituation vor Ort bis Ende 2011 abschliessend zu analysieren. Und zum anderen hat die letzte Flut viele neue Erkenntnisse sichtbar gemacht. Die unkontrolliert abfliessenden Wassermengen haben vielerorts gezeigt, dass die Gefährdungspotenziale um einiges grösser sind als ursprünglich gedacht

Mit den Kartierungen kommen die Behörden tatsächlich voran; sie sind aber erst teilweise auf Kurs: Per Anfang Jahr wurde dem Bundesamt für Umwelt gemeldet, dass rund die Hälfte aller Gebiete untersucht worden ist. Und nicht einmal ein Drittel der kartierten Flächen ist nun effektiv besser geschützt. Grundsätzlich aber gilt: Um Bauzonen und Siedlungsflächen wirksam vor drohendem Unheil zu schützen, haben die Kantone flächendeckende und parzellenscharfe Gefahrenkarten zu erstellen. Diese sollen eine detaillierte Übersicht geben, welche Flächen durch Hochwasser, rutschende Hänge, Steinschlag, Felsstürze oder – im Berggebiet – durch Schneelawinen gefährdet sind. Im Weiteren haben diese Karten auch über den jeweiligen Grad der Gefährdung vor Ort Auskunft zu geben. Von den Gemeinden sind diese sowohl bei der Ausscheidung neuer Bauzonen als auch bei Baubewilligungen zwingend in Betracht zu ziehen, um die Gefährdung von Menschen und Schäden an deren Hab und Gut zu verhindern. Hauseigentümer und potentielle Bauherrschaften tun jeweils gut daran, sich über diese verbindlichen Grundlagen zu informieren.

Art, Intensität und Wiederkehrperiode

Für das Erstellen der Gefahrenkarten werden vertiefte Abklärungen von Fachleuten, wie Geologen, Forstingenieuren oder Hydrologen benötigt. Oft geht es sogar darum, historische Quellen über damalige Ereignisse zu konsultieren. Insbesondere werden folgende Informationen gesammelt: Art der potentiellen Ereignisse, die Intensität sowie deren Eintretenswahrscheinlichkeit. Letztere wird durch Wiederkehrperioden von 30, 100 oder 300 Jahren definiert. In möglichen Überschwemmungsgebieten werden etwa die Abflusswege, die Fliessgeschwindigkeiten sowie die Wassertiefe – mit Hilfe von rechnerischen Prognosen – eruiert.

Die kartografische Übersetzung dieser Informationen erfolgt in einem einheitlichen Farbspektrum, womit die unterschiedlichen Gefahrenstufen gekennzeichnet sind. Rot meint eine erhebliche Gefährdung, wodurch ein Gebäude als Ganzes zerstört werden kann. Blau markiert die mittlere Gefährdung und gelb gering gefährdete Gebiete. In solchen Zonen werden Häuser fast immer beschädigt; Personen sind jedoch weitgehend geschützt.

Raumplanerische Umsetzung

Die Gefahrenkarten dienen aber auch dazu, die erhobenen Konfliktstellen im Siedlungsgebiet auszuräumen und raumplanerische Konsequenzen daraus zu ziehen: Bei Rot werden nicht überbaute Zonen wieder ausgeschieden. Oder es kann sogar ein Bauverbot ausgesprochen werden. Bei Blau oder Gelb genügt es meistens, die geplanten oder bestehenden Häuser spezifisch zu schützen. Für Neubauten werden in der Baubewilligung deshalb Auflagen zum Objektschutz verfügt. Bei geringerer Gefährdung kann es sich dabei um Empfehlungen der Behörde handeln, deren Realisierung im Ermessen der Privateigentümer liegt.

Informationen einer Gefahrenkarte

Quelle: BAFU
           
   

Gefahrenstufe

Gefährdung

Charakteristik

Konsequenzen

   

rot

erheblich

Personen sind in- und ausserhalb von Gebäuden gefährdet. Mit der plötzlichen Zerstörung von Gebäuden ist zu rechnen

Keine Ausscheidung neuer Bauzonen; keine Errichtung oder Erweiterung von Bauten.

   

blau

mittel

Personen sind innerhalb von Gebäuden kaum gefährdet, ausserhalb liegt eine Gefährdung vor. Mit Schäden an Gebäuden ist zu rechnen, jedoch sind plötzliche Gebäudezerstörungen in diesem Gebiet nicht zu erwarten, falls Auflagen bezüglich Bauweise betrachtet werden.

Ausscheidung neuer Bauzonen nur nach Vornahme einer Interessenabwägung; Baubewilligungen nur mit Auflagen.

   

gelb

gering

Personen sind kaum gefährdet.

Mit geringen Schäden an Gebäuden bzw. mit Behinderungen ist zu rechnen, jedoch können erhebliche Sachschäden in Gebäuden auftreten.

Hinweis auf Gefahren; Empfehlungen für bestehende Bauten und Erwägung von Auflagen für Neubauten.

   

Gelb-Weiss

Restgefahr

Hinweisbereich über Restrisiko mit sehr geringer Eintretenswahrscheinlichkeit.

Hinweis auf Gefahren; Auflagen bei sensiblen Nutzungen und grossem Schadenpotenzial

   

Weiss

Keine oder vernachlässigbar

   

Zusätzliche Informationen

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