«Der April, macht was er will…»

In unseren Breitengraden zeigt sich von März bis Mai häufig sogenanntes Aprilwetter. Jürg Zogg von SRF Meteo hat das wechselhafte Wetterphänomen für hausinfo erläutert.

Jürg Zogg ist seit 2004 als Meteorologe bei SRF Meteo tätig.
Jürg Zogg ist seit 2004 als Meteorologe bei SRF Meteo tätig.

(ted) Herr Zogg, wieso entsteht das sogenannte Aprilwetter? 

Für typisches Aprilwetter braucht es grosse Temperaturgegensätze zwischen dem Boden und der Luft in rund 6 Kilometer Höhe. Diese Voraussetzungen sind gerade im Frühling oft erfüllt: Die Sonne hat bereits viel Kraft und kann den Boden tagsüber gut erwärmen. Über Nordeuropa hat es aber nach wie vor Reste winterlicher Kaltluft. Dreht die Strömung zwischendurch auf Nordwest, gelangt diese Höhenkaltluft bis nach Mitteleuropa.

Was sind typische Merkmale des Aprilwetters?

Unter typischem Aprilwetter verstehen wir Meteorologen wechselhaftes Schauerwetter. Mal scheint die Sonne vom tiefblauen Himmel. Kurze Zeit später ziehen dunkle Quellwolken auf. Diese bringen kurzen und heftigen Regen, Schneefall oder Graupel. Dazu gibt es starke Windböen. Aber bereits nach einer Viertel- oder Halbstunde ist der ganze Spuk vorbei und die Sonne zeigt sich wieder. Und nach einer Weile beginnt das Ganze wieder von vorne…

Im April können grosse Temperaturschwankungen vorkommen - einerseits von Tag zu Nacht und andererseits auch zwischen den Tagen.
Im April können grosse Temperaturschwankungen vorkommen - einerseits von Tag zu Nacht und andererseits auch zwischen den Tagen.

Ist der Ausdruck «Aprilwetter» ein anerkannter Fachbegriff oder nur im Volksmund verbreitet?

Ich denke, der Begriff ist auch unter den Meteorologen weit verbreitet – und sogar in einem meteorologischen Lexikon habe ich ihn gefunden.

Wo kommt Aprilwetter überall vor (geografisch)?

Labiles Schauerwetter gibt es verbreitet in den gemässigten Breiten. Je südlicher, desto früher im Jahr. Je nördlicher, desto später – teilweise auch im Sommer. In Mitteleuropa gibt es im langjährigen Mittel im Monat April eine Häufung solcher Wetterlagen – deshalb auch der Name. Aber natürlich kann es bereits im März oder auch noch im Mai sogenanntes Aprilwetter geben.

Kann das Aprilwetter auch Gefahren mit sich bringen?

Das typische Aprilwetter ist selten für grosse Unwetterschäden verantwortlich. Zieht eine Linie von kräftigen Schauerzellen auf, sind aber durchaus stürmische Windböen von 70 bis 90 km/h möglich. Zudem kann kräftiger Regen, Schneefall oder Graupel auf den Strassen vorübergehend für gefährliche Verhältnisse sorgen. Das Gute daran ist aber: Das Ganze ist jeweils bald vorüber – man macht also am besten einen kurzen Halt und fährt hinter der Schauerlinie bei Sonnenschein weiter.

Kennen Sie eine Bauernregel zu Aprilwetter?

Heller Mondschein in der Aprilnacht, schadet leicht der Blütenpracht.

Diese Regel macht Sinn: Wird es nach wechselhaftem und kühlem Aprilwetter in der Nacht plötzlich sternenklar, droht Frost. Und die bereits weit fortgeschrittene Vegetation kann Schaden nehmen.

Was raten Sie Menschen, denen das wechselhafte Wetter Unmut bereitet?

Da kann man nicht viel dagegen tun – am besten nimmt man das Wetter so, wie es ist. Wenn man es gerne sonnig und warm mag, kann man aber auch hoffen: Der April 2007 war beispielsweise extrem sonnig und bereits sommerlich warm. Und wenn doch nicht, kommt ja bald der Mai…

Besten Dank für das Interview.

 

Tipps fürs Aprilwetter

  • Bei geplanten Aktivitäten immer einen Plan-B haben: Wenn aus dem Ausflug in den Park wegen Dauerregens nichts wird, freuen Sie sich halt über einen Besuch im Schwimmbad!

  • Morgens ist es noch recht kühl, im Laufe des Tages kann es aber schon sehr warm werden. Trägt man Kleidung in Schichten (Zwiebel-Prinzip), kann man je nach Bedarf etwas aus- oder anziehen.

  • Regengüsse können ganz plötzlich einsetzen, darum sind geschlossene Schuhe im April die bessere Wahl.

  • Beim Verlassen des Hauses immer einen Regenschirm oder eine Regenjacke einpacken.

  • Herrscht Sonnenschein, sollte Sonnenschutzcreme und Sonnenbrille nicht vergessen werden. Haut und Augen müssen jetzt besonders geschützt werden. 

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