«Füttern verboten» als Grundlage der Tauben-Abwehr

Bei Hochzeiten, Friedensdemonstrationen oder Nostalgikern sind Tauben gern gesehene Gäste. Um das gluckernde Federvieh aber vom eigenen Haus fernzuhalten, greifen die Menschen zu mehr oder weniger wirkungsvollen und oft auch tierquälerischen Mitteln.

Die effektivste Tauben-Abwehrmassnahme ist die Eingrenzung der Population. Als erstes Gebot gilt: Füttern verboten!
Die effektivste Tauben-Abwehrmassnahme ist die Eingrenzung der Population. Als erstes Gebot gilt: Füttern verboten!

(pg) Weisse Tauben sind das Symbol der Friedensbewegung und bereichern immer wieder Hochzeitszeremonien. Vor der Erfindung des Telegraphen waren Brieftauben praktisch die einzige Möglichkeit, Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Ausserdem konnte man so eine militärische Nachricht unbemerkt hinter die feindlichen Linien transportieren. Noch im 2. Weltkrieg umfasste der US Army Pigeon Service 54‘000 Brieftauben, und erst 1997 löste die Schweizer Armee ihren militärischen Brieftaubendienst auf.

Idealer Lebensraum

So glorreich die Vergangenheit und so symbolträchtig das Tier - heute haben Tauben im wahrsten Sinne des Wortes einen schweren Stand. Seit Jahren ergreifen Städte, Gemeinden und Hausbesitzer verschiedenste Massnahmen, um sich die «Problemvögel» vom Leib respektive von der Fassade zu halten. Denn überall, wo die Taube zu zahlreich auftritt, wird sie schnell zur Plage. Die Stadttaube stammt ursprünglich von der Felsentaube ab. In Städten mit Häuserzeilen, Nischen, Gebäudevorsprüngen und Beschilderungen finden sich für Tauben Verhältnisse, die ihrem ursprünglichen Lebensraum mit zerklüfteten Felswänden und Höhlen ähnlich ist. Zusammen mit dem fast grenzenlosen Nahrungsangebot finden Stadttauben also einen idealen Lebensraum vor, in dem sie sich auch stark vermehren.

Beträchtliche Schäden

Diese übermässige Population verursacht zahlreiche Probleme: Die aggressiven Inhaltsstoffe von Taubenkot – eine Taube produziert im Jahr 10 bis 12 kg –beschädigen Stein- und Metalloberflächen, Balkone und Fassaden werden verdreckt. Aus Brutplätzen können Parasiten auswandern und auch die Menschen befallen und in den warmen Sommermonaten kommt ausserdem die Geruchsbelästigung dazu.

«Basler Modell»

Die effektivste Tauben-Abwehrmassnahme ist die Eingrenzung der Population. Als erstes Gebot gilt: Füttern verboten! Denn nach wie vor gibt es Menschen, die aus vermeintlicher Tierliebe die Tauben füttern und so den gesunden Bestand durch falsche Ernährung gefährden. Zudem entsteht eine unkontrolliert wachsende Population, was ebenfalls den gesunden Bestand gefährdet. Als erste Schweizer Stadt ging Basel in der 80er Jahren das «Taubenproblem» systematisch an. Es wurden Taubenschläge errichtet, die von einem Taubenwart betreut, gereinigt und kontrolliert werden. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung aufgeklärt, dass die Fütterung den Tieren schadet. Auch in Luzern oder Bern konnte die Taubenpopulation mit diesem System deutlich reduziert werden. In Thun nimmt man sich Bern nun zum Vorbild. Weil alle Aufrufe, die Tauben nicht zu füttern, wenig Wirkung gezeigt haben, wird sich künftig ein «Taubenvater» um die Population kümmern. Dabei wird er auch kranke Tiere mit einem Kleinkalibergewehr abschiessen dürfen.

Massnahmen unter Einhaltung des Tierschutzgesetzes

Mit Taubenschlägen und Aufrufen, die Tauben nicht zu füttern, packt man das Problem an der Wurzel. Trotzdem ist es manchmal unumgänglich, Tauben von Gebäuden oder Denkmälern fernzuhalten. Viele Firmen kennen sich mit Abwehrmassnahmen aus und bieten wirkungsvolle Systeme an. Bei deren Einsatz ist darauf zu achten, dass sie dem Tierschutzgesetz gerecht werden und die Tauben lediglich ferngehalten, nicht aber verletzt werden. Auf das Anbringen von Stacheln mit spitzen Enden, Elektrosystemen mit starken Schlägen oder Netzen, in denen sich die Tauben verfangen, ist zu verzichten. Spanndrahtsysteme, Spikes-Systeme, Edelstahldrähte oder Drahtspiralen haben sich hingegen als wirksam erwiesen, sofern sie fachmännisch angebracht und regelmässig kontrolliert und unterhalten werden.

Tauben meiden die Dunkelheit, also sollten Dachstöcke oder andere Räume, die von Tauben besiedelt werden können, ganz dunkel gehalten werden. Zugänge an Gebäuden können durch Gitter, Holzbretter oder Kunststoffschaum verschlossen oder verkleinert werden. Simse und andere Sitzplätze können verschmälert oder stärker geneigt werden, was Tauben ebenfalls daran hindert zu nisten. Eine begrenzte Population und diese Massnahmen können zu einem friedvolleren Umgehen zwischen dem Menschen und dem Tier mit der grossen Symbolkraft beitragen.

Zusätzliche Informationen

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