Schlaf- und Badezimmer in einem

Das Bad als Wohlfühloase ist dem Schlafzimmer räumlich näher gerückt. Möglichkeiten und Grenzen einer Entwicklung, die nur auf den ersten Blick zu erstaunen vermag.

Das Bad als Wohlfühloase ist dem Schlafzimmer räumlich näher gerückt.
Das Bad als Wohlfühloase ist dem Schlafzimmer räumlich näher gerückt.

(mei) Was früher zwei separate Räume waren, findet seit einiger Zeit mehr und mehr zusammen: Die Grenzen zwischen Schlaf- und Badezimmer lösen sich auf. Wo einst Mauern standen, sorgen jetzt Raumteiler oder Teilwände für einen offenen Durchgang. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die mehrfach preisgekrönte Badkollektion «Axor Urquiola», welche Patricia Urquiola für Axor entworfen hat. Die spanische Designerin versteht das Bad als Ich-Ort, der eine Begegnung zulässt – was sich u.a. darin zeigt, dass beim imaginären Paar, das Urquiola beim Entwurf vorschwebte, jeder seine eigene Wanne hat, diese jedoch neben einander stehen.

«Elemental Spa» ist nur eine von mehreren Interpretationen der Ritual-Architektur, mit der Dornbracht aus der einstigen Nasszelle einen hochwertigen Raum kreierte, der alle Sinne anspricht.
«Elemental Spa» ist nur eine von mehreren Interpretationen der Ritual-Architektur, mit der Dornbracht aus der einstigen Nasszelle einen hochwertigen Raum kreierte, der alle Sinne anspricht.

Introvertierte Räume

Einer, der mitgeholfen hat, das Bad aus seinem einstigen Dornröschenschlaf zu wecken, ist Andreas Dornbracht, der das Familienunternehmen Dornbracht gemeinsam mit seinem Bruder in dritter Generation führt. Für ihn kommt der Trend zu kombinierten Bad-/Schlafräumen nicht überraschend. «Wohnräume kann man in extrovertierte und introvertierte Bereiche unterteilen. In ersteren werden Gäste empfangen, hier spielt sich das gesellige Leben ab, wie etwa im Wohnbereich oder in der Küche. Die introvertierten Bereiche wie der Schlafraum oder das Bad bilden hingegen den Intimbereich einer Wohnung oder eines Hauses», erklärt Dornbracht. Das Zusammenrücken von Bad und Schlafen sei somit eine logische Konsequenz.

Runde Formen, weiche Konturen und gerade Strukturen sind das Markenzeichen der Kollektion «Espace» von Vitra Bad.
Runde Formen, weiche Konturen und gerade Strukturen sind das Markenzeichen der Kollektion «Espace» von Vitra Bad.

Oase der Entspannung

Vorausgegangen ist diesem Trend eine langjährige Emanzipation, welche das Bad von einem reinen Hygienebereich, der in erster Linie funktionell sein musste, in eine eigentliche Erlebniszone wandelte. Den Konzepten der führenden Badhersteller ist gemein, dass sie das Bad als Ort verstehen, an dem mit der körperlichen Reinigung auch die Seele neue Kraft tanken können soll. Dornbracht spricht in diesem Zusammenhang von einem «Ritualbad, in dem Kontemplation, Meditation und Beauty ihren Platz haben». Dazu gehören frei stehende Badewannen ebenso wie Regenduschen, welche auf luxuriös-archaische Weise die menschliche Verbundenheit mit Wasser zum Ausdruck bringen.

Unsichtbar und mit einer geruchsbekämpfenden Technologie ausgestattet, verschwindet die Toilette «SmartBench» von Villeroy & Boch nach Gebrauch in einem Holzmöbel.
Unsichtbar und mit einer geruchsbekämpfenden Technologie ausgestattet, verschwindet die Toilette «SmartBench» von Villeroy & Boch nach Gebrauch in einem Holzmöbel.

Unterschiedliche Klimazonen

Aller räumlichen Annäherung zum Trotz sind dem neuen Trend von kombinierten Schlaf-/Badezimmern klare Grenzen gesetzt: Während das Bad warm sein soll, mag man es beim Schlafen eher kühl. Und die Feuchtigkeit, die beim Duschen und Baden entsteht, hat im Schlafzimmer ebenfalls nichts zu suchen. Aufgrund der unterschiedlichen Klimazonen werden die beiden Bereiche deshalb nie völlig miteinander verschmelzen. Die Trennung wird gemäss Andreas Dornbracht in Zukunft jedoch sanfter ausfallen: «Statt Mauern werden wir vermehrt Glaswände oder Mauerdurchbrüche sehen.» Was sich aus hygienischen Gründen nicht durchsetzen dürfte, ist die Kloschüssel neben dem Bett, selbst wenn sie – wie beim Modell SmartBench» von Villeroy & Boch – mit einer geruchsbekämpfenden Technologie ausgestattet ist und diskret in einem Sideboard verschwindet.

Ein Bad hinter Glas hat Marc Schneuwly von der Bad und Architektur GmbH mitten in einem ausgebautem Estrich in Bern geschaffen.
Ein Bad hinter Glas hat Marc Schneuwly von der Bad und Architektur GmbH mitten in einem ausgebautem Estrich in Bern geschaffen.

Schöne Aussichten

Marc Schneuwly von der Bad und Architektur GmbH steht dem Trend zu kombinierten Schlaf-/Badräumen aufgrund der relativ hohen Kosten skeptisch gegenüber. Wichtiger als die Nähe zum Schlafen ist ihm zufolge der Blick, den man von der Badewanne aus geniesst: «Heute will man beim Baden keine geplättelte Wand mehr anschauen, sondern den Blick ins Grüne schweifen lassen.» Bedingung dazu ist allerdings ein Bad, welches an der Fassade liegt. Gerade bei älteren Häusern befindet sich das Bad jedoch oft nicht an der Aussenhülle, was sich auch bei einem Umbau nicht unbedingt ändern lasse. Kein Problem, findet Schneuwly: «Eine Badelandschaft kann auch mit einem Durchblick in einen Innenraum interessant gestaltet werden.» Mitten in einem ausgebauten Estrich in einem Wohnhaus in Bern hat er ein Bad hinter Glas geschaffen, von dem aus die Bauherren nach drinnen wie draussen schauen können. Entscheidend ist hierfür eine gute Planung: «Interessante und gleichzeitig kostengünstige Lösungen sind meist nur realisierbar, wenn wir früh hinzugezogen werden», sagt Schneuwly.

Mit «City Life» hat Villeroy & Boch eine Badelinie mit Echtholzfurnier geschaffen, die auch die nicht sichtbare Toilette «SmartBench» (links im Bild) umfasst.
Mit «City Life» hat Villeroy & Boch eine Badelinie mit Echtholzfurnier geschaffen, die auch die nicht sichtbare Toilette «SmartBench» (links im Bild) umfasst.

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