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Interview mit Béatrice Ruef und Kristina Rippstein

Mit dem Zuhause auch das alte Leben entrümpeln. Wie das geht, zeigen Béatrice Ruef und Kristina Rippstein.

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Sie bieten zusammen Hilfe beim Entrümpeln an. Wie definieren Sie denn Gerümpel?

(mei) Béatrice Ruef: Mit «Gerümpel» bezeichnen wir all die Dinge, die seit längerer Zeit in Schränken, auf Tablaren, in Kellern und auf Dachböden oder auf Balkonen stehen und liegen, vergessen und ungenutzt, und so Platz stehlen, der eigentlich da ist für alles Lebendige. So können für eine Person die Schlittschuhe, die seit 10 Jahren ungenutzt und angerostet im Keller liegen, Gerümpel sein, und für eine andere Person, die mit alten Schlittschuhen handelt, sind diese Schlittschuhe Geschäft.

Welche Dinge verwandeln sich besonders gern in Gerümpel?

Ruef: Alles Papierene, Ferienandenken, Frustkäufe, Geschenke, Kleider, Schuhe, alles, was in die Wohnung wandert ohne festgelegte Funktion oder mit schlechtem Gewissen behaftet ist. Auch Dinge, die man behält, weil sie zu einem Lebenstraum oder einer Lebensperiode gehören, von der man sich nicht gern verabschiedet.

Weshalb braucht man beim Entrümpeln Hilfe?

Kristina Rippstein: Weil man selber gerne den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Unsere Hauptaufgabe ist es, gezielt Fragen zu stellen. Dies hilft, herauszufinden, welche Gegenstände man wirklich behalten will, weil sie eine wichtige funktionale oder emotionale Bedeutung haben, und welche Gegenstände man weggeben will, weil sie «vorbei» sind oder nur aus falschem Respekt in der eigenen Haushaltung gelandet sind.

Wie geht das Entrümpeln mit Ihnen konkret vor sich?

Ruef: Wir gehen zu zweit zu unseren Auftraggebern nach Hause. Diese führen uns durch ihre Wohnung und sprechen dabei an, in welchen Zonen sie sich nicht wohl fühlen, was sie gerne geordnet hätten. Wir schauen uns die Situation an und besprechen unsere Ideen zur Verbesserung der Organisation mit ihnen. Sobald wir eine Lösung gefunden haben, die bei den Auftraggebern Zustimmung findet, legen wir zusammen mit den Kunden Hand an, räumen Gestelle aus, verteilen die Sachen neu, legen alles auf einen Berg, was in die Kehrichtabfuhr kommt, daneben alles fürs Brockenhaus, alles, was zur Schwester kommt, zu Nachbarinnen, auf den Flohmarkt usw. Dies kann durchaus schon nach einer halben Stunde der Fall sein. Beim Räumen geht es fröhlich zu. Weil wir mit zupacken, kommen wir rasch voran. Es ist jedoch so, dass wir Begleiterinnen nichts eigenhändig wegwerfen. Wir tragen auf die Beige, beigen um usw. Was Menschen gehört, die nicht anwesend sind, legen wir in ein Gestell, so dass diese es wieder finden.

Manche Leute haben ein Chaos mit System, in dem sie alles wieder finden. Weshalb müssen die jetzt penibel Ordnung halten?

Rippstein: Wir arbeiten mit einem flexiblen Modell, das hilft, für jeden Menschen die zu ihm passende Ordnung zu finden. Das Modell sieht grundsätzlich zwei Ordnungstypen vor, den konvergenten Typ, der sich wohl fühlt in einer eher pingeligen Ordnung, und den divergenten Typ, der sich gerade in einem gewissen Mass an «Chaos» lebendig und effizient fühlt. Oft geht es in einer Beratung darum, unter der anerzogenen Ordnung mit dem Kunden seine ursprüngliche Organisationsweise zu finden. In dieser fühlt sich jede Person wohl und kann ihrem Talent gemäss effizient sein. Diese Differenzierung ist hilfreich und entlastend für viele Menschen.

Welche Parallelen bestehen zwischen Ihrem Ansatz und Feng Shui?

Ruef: Raumpflege, Sorgfalt im Umgang mit den alltäglichen Sachen im Haus, Wissen um gute Bauplätze und weniger vorteilhafte Orte ist altes Wissen und Tradition, welche bei uns immer da waren, auch im Hausbau, im Einrichten und im Haushalten. Feng Shui hat geholfen, diese im Bauwesen und in vielen Familien beachteten Praktiken und mündlich überlieferten Erfahrungen wieder populär zu machen. Exotisch ist der Name, was man tut, ist überall das Gleiche.

Auch Design zeichnet sich häufig durch die Reduktion auf das Wesentliche aus. Wie ähnlich ist dies Ihrer Empfehlung, zu entrümpeln?

Rippstein: Viele Menschen haben heute von vielem zu viel. Daraus kommt das Bedürfnis, wieder klarer und einfacher zu werden. Design ist aber nicht in jedem Land reduktiv. Die Spanierin Patricia Urquiola z.B. überzieht ihren bekannten Sessel mit Häkelmotiven, was einen Einbruch von dekorativer Folklore in die reduzierte Designwelt bedeutet.

In welchen Lebenssituationen benötigen Menschen Ihre Hilfe am häufigsten?

Rippstein: Wir haben Kunden aus allen Lebenssituationen und aus allen Altersgruppen. Da es ein Phänomen unserer Zeit ist, zu viel zu haben und mit Information und mit Dingen überschwemmt zu werden, geht es für uns alle darum, herauszufinden, wie wir filtern können und entscheiden, was wir brauchen, was uns gut tut, und alles andere gründlich aus dem Haus zu schaffen. Viele Menschen haben dies nicht gelernt und müssen diese Fähigkeit erwerben. Dabei helfen wir.

Zum Schluss: Welchen Tipp geben Sie uns mit, damit wir Ihre Hilfe gar nicht erst brauchen?

Ruef und Rippstein: Wir bieten neben der persönlichen Beratung Workshops an. Unsere Erfahrung ist, dass durch das Gespräch im Workshop jede Person für sich merkt, wo ihre sensiblen Punkte sind. Mit den Übungen in den Kleingruppen tauschen die Teilnehmenden Anregungen und Tipps aus, bestätigen einander, dass sie mit der eigenen Erfahrung nicht allein sind, und dies allein schon bringt für jeden Bewegung ins eigene Entrümpeln.

Danke für das Gespräch.

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