Feng Shui im Garten

Seelenlose Zierflächen waren gestern. Gestalten Sie Ihren Garten zu einer grünen Oase der Harmonie, die zum Auftanken und Wohlfühlen einlädt. Die uralten Geheimnisse des Feng Shui weisen Ihnen den Weg.

Massgeblich für den Feng-Shui-Garten sind stimmige Proportionen und weich geschwungene Linien. Im Bild: Garten der Familie Knecht.
Massgeblich für den Feng-Shui-Garten sind stimmige Proportionen und weich geschwungene Linien. Im Bild: Garten der Familie Knecht.

(mm) Zuerst kam der Garten und dann das Haus. So war es zumindest im alten China, der Heimat des Feng Shui, wo Häuser so angelegt wurden, dass sie zum «heimischen Grün» passten und nicht umgekehrt. Entsprechend nimmt der Garten in der fernöstlichen Lehre des Feng Shui einen besonderen Stellenwert ein. Er wird wie das Haus als erweiterter Körper des Menschen betrachtet, dem beschützende, besänftigende und belebende Kräfte zugeschrieben werden und der die verschiedenen Lebensbereiche des Menschen beeinflusst. Um einen solchen Ort der Stärke zu schaffen, braucht es jedoch eine wesentliche Voraussetzung: Die positive Energie – das so genannte Chi – muss ungehindert zirkulieren. Wie Sie dies erreichen? Unser Feng-Shui-Ratgeber gibt Antwort:

Qualität des Gartens

  • Ordnung: Sie ist ja bekanntlich das halbe Leben. Auch im Feng Shui ist Ordnung von zentraler Bedeutung. «Ein Garten sollte vor allem gepflegt sein. Penible Sterilität ist hingegen nicht gefragt, da die Natürlichkeit auf keinen Fall verloren gehen darf. Vielmehr sollten unnötig herumliegende, verrostete oder kaputte Gartenutensilien beseitigt werden sowie Pflanzen gesund und ausreichend gewässert sein», rät die selbstständige Feng-Shui-Beraterin Barbara Rüttimann.
  • Harmonische Linien und Proportionen: Massgeblich für den Feng-Shui-Garten sind stimmige Proportionen und weich geschwungene Linien (im Bild oben: Garten der Familie Knecht). Dies bedeutet, dass der «Wohnraum unter freiem Himmel» nie zu voll gestellt oder aber leer und verlassen wirken darf. Ebenfalls unerwünscht sind zu viele Ecken und Kanten oder Geraden. Pflanzen mit spitzen Blättern oder schnurgerade Blumenbeete sollten daher eher vermieden werden.
  • Gleichgewicht der Kräfte: Im Feng Shui spricht man vom Yin-Yang-Prinzip oder einem ausgeglichenen Vorhandensein der gegensätzlichen Polaritäten, dem weiblichen, beruhigenden sowie dem männlichen, stimulierenden Teil. Im Garten sollten sich diese Gegenpole in Materialien, Farben und Formen widerspiegeln. So können z.B. Blumen in starken Yang-Farben wie Rot, Gelb und Orange mit Yin-Farben wie Weiss und Blau ausgeglichen werden.

Anordnung des Gartens

Garten der Familie Knecht
Garten der Familie Knecht
  • Standort des Gartens: Stellen Sie sich einen Lehnstuhl vor mit hoher Rückenlehne, seitlichen Armstützen, die links höher als rechts sind und schon haben Sie ein Bild vom optimalen Standort. Im Feng Shui wird nämlich die Rückseite des Gartens durch Hügel, Hecken, Mauern oder Bäume geschützt, nach vorne wiederum herrscht freier Blick mit möglichst weiter Fernsicht. Auf der linken Seite wird der Garten mit hohen Pflanzen abgeschirmt, rechts mit eher niedrigen. Und schon ist das Lehnstuhl-Prinzip erfüllt.
  • Anordnung der Gartenbereiche: Ein leicht anwendbares Feng-Shui-Hilfsmittel ist laut Barbara Rüttimann das so genannte Bagua. Dieser Raster bestehe aus neun Feldern, die die wichtigsten Lebensthemen des Menschen verkörpern. «Wenn Sie das Bagua über den Grundriss Ihres Gartens legen, können Sie einfach und gezielt das Chi zum Fliessen bringen sowie einzelne Lebensbereiche konkret aktivieren», verrät Rüttimann (s. Downloads).

Rose, Pfingstrose, Chrysantheme, Kamelie, Jasmin und Lotus sind typische Feng-Shui-Pflanzen.
Rose, Pfingstrose, Chrysantheme, Kamelie, Jasmin und Lotus sind typische Feng-Shui-Pflanzen.

Gestaltungselemente

  • Gartenmöbel und -accessoires: In puncto Materialien wird im Feng Shui auf Naturprodukte gesetzt. So wird z.B. Holz gegenüber Plastik den Vorzug gegeben, da Plastik den Energiefluss verlangsamen kann. Wenn Sie sich für Holzmöbel entscheiden, sollten Sie einen Ausgleich schaffen zwischen harten Yang- (z.B. Eiche) und weichen Yin-Hölzern (z.B. Rattan, Sisal, Kokos). Der Einsatz von Glas oder Metall kann zusätzlich belebend wirken, Pflanzen und stabile Sonnenschirme dienen als Schutz.
  • Pflanzen: Es gibt sie, die typischen Feng-Shui-Pflanzen wie Bambus, Pfingstrosen, Rosen, Chrysanthemen, Kamelien oder Jasmin, die in keinem «grünen Paradies» fehlen dürfen. Und nicht zu vergessen die Lotusblumen, die Yin und Yang vereinen und Harmonie, Freundschaft und Frieden symbolisieren.
  • Wasser: Im Feng Shui steht Wasser für den Lebensfluss, entsprechend bereichern Teiche, Springbrunnen oder Swimmingpools jeden Garten. Da Wasser eine der stärksten Energien darstellt, sind jedoch der Standort derartiger Wasserelemente sowie deren Proportionen im Vergleich zu Haus und Garten entscheidend. Weitere Details bieten Bagua-Raster und Fachliteratur.

Barbara Rüttimann
Barbara Rüttimann

Die Expertin zum Schluss

«Feng Shui ist eine umfassende Lehre, die zudem individuell für jede Wohnsituation greift. Um die Möglichkeiten dieser uralten Weisheit vollumfänglich auszuschöpfen, ist eine Beratung hilfreich. Aber ich glaube auch an Feng Shui «im Kleinen». Sprich, dass man bereits mit wenig Aufwand viel erreichen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Umgestaltung Ihres Gartens», so Barbara Rüttimann.

Buchtipps

Barbara Rüttimann empfiehlt zum Einstieg ins Thema und zur praktischen Anwendung folgende Publikationen.

  • Günther Sator: «Feng Shui für jeden Garten. Mehr Wohlbefinden, Gesundheit und Ge-nuss durch einen harmonischen Garten. Mit Grundkurs und Checklisten»; Gräfe & Unzer
  • Lillian Too: «Der Feng Shui Garten»; Droemer Knaur
  • «Feng Shui, Haus und Garten»; Komet Verlag

Zusätzliche Informationen

Brigitta Knecht, ImagePoint (photocreation-de, Evelyn Kasper, Anna Reinert, Birgit Fischer, Buß Michael, Ruedi, Priska Abbühl) Artikel drucken