Glückliche Chinchillas: Tipps zur tiergerechten Haltung

Seidenweiches Fell, grosse Knopfaugen – welcher Tierfreund gerät beim Anblick eines derart niedlichen Nagers nicht in Verzückung? Doch Chinchillas sind alles andere als Kuscheltiere und obendrein sehr anspruchsvoll in puncto Haltung und Ernährung.

Chinchilla
Chinchilla

(mm) Ihr flauschiges Fell scheint ihr Verhängnis zu sein: So werden Chinchillas leider auch heute noch in Pelztierfarmen gezüchtet und sind in freier Wildbahn in ihrem Bestand bedroht. Und auch als Heimtiere werden sie gern als Streichelobjekte gesehen und nicht als quicklebendige Tiere mit ausgeprägtem Willen und hohen Ansprüchen. Wussten Sie beispielsweise, dass Chinchillas extrem bewegungsaktiv sind und einen entsprechend grossen Lebensraum benötigen? Dass sie nicht so robust und anpassungsfähig wie andere tierische Hausgenossen sind? Und dass ihre Lebenserwartung bei 18 bis 22 Jahren liegt und eine Entscheidung für ein solches Tier entsprechend wohl bedacht sein sollte? Kurzum: Die artgerechte Haltung ist aufwändig und bleibt in der Regel Liebhabern vorbehalten. Wenn Sie jedoch bereit sind, sich den Anforderungen zu stellen, dann werden Ihnen die aufgeweckten Kerlchen sicherlich grosse Freude machen. Zur Haltung im Einzelnen:

Gruppenhaltung

Chinchillas sind Gruppentiere und sollten nie allein leben. Oder möchten Sie, dass ihr quirliger Nager verstört und traurig in der Ecke sitzt, weil er sich nach Artgenossen sehnt? Der Schweizer Tierschutz (STS) empfiehlt, zwei Tiere zusammen zu halten. Als ideale Kombination werden ein Weibchen und ein kastriertes Männchen erachtet.

Unterbringung

Sobald die Dämmerung einbricht, sind sie kaum zu bremsen. Dann rennen, klettern und springen die «Nachtaktiven» durch die Gegend und knabbern alles an, was ihnen zwischen die Beisserchen kommt. Um diesem Bewegungsdrang Rechnung zu tragen, ist ein grosser Lebensraum für Chinchillas unabdinglich. Eva Waiblinger vom STS hält ein Zimmer, welches speziell für die Tiere eingerichtet wird, für die beste Lösung. «Wenn Chinchillas trotzdem in einem Käfig eingeschlossen werden, sollte dieser mindestens eine Grundfläche von 2 x 1 m und eine Höhe von 1,5 m aufweisen. Die handelsüblichen Gehege sind meist viel zu klein», erklärt Waiblinger. In guten Zoofachgeschäften seien entsprechende Volièren im Baukastensystem zu beziehen und auch die vom STS zertifizierte Senn-Zimmervolière könne als «Chinchilla-Heim» genutzt werden (s. Downloads). Beim Standort des Geheges ist es wichtig, dass dieses an einem ruhigen Ort steht und vor direkter Sonneneinstrahlung sowie Durchzug geschützt wird.

Ausstattung

Eine Behausung mit vielen Rückzugs- und Klettermöglichkeiten ist das A und O. Sitzbretter auf unterschiedlichen Ebenen, dicke Kletteräste sowie Schlupfröhren aus Holz, Ton oder Kork bringen die «Knopfaugen» zum Leuchten. Ein Schlafhäuschen aus Holz und ein Sandbad mit Spezialsand aus dem Zoofachhandel vervollständigen das Gehege ebenso wie frisches Nagematerial in Form von Ästen ungespritzter und ungiftiger Bäume (z.B. Buche oder Hasel). Als Einstreu eignen sich z.B. Strohhäcksel, gereinigte Rindenschnitzel oder entstaubte Hobelspäne.

Nahrung

Der Verdauungsapparat der in den Andenländern beheimateten Tiere ist auf die Verwertung karger Hochlandgräser ausgerichtet. Grobes Heu in guter Qualität ist somit ein optimales Grundfutter für Chinchillas. Laut Waiblinger gehören zudem neben frischem Wasser und täglich einem Kaffeelöffel einer handelsüblichen Körnermischung spezielle Pellets sowie kleine Mengen an Gemüse und Kräutern auf den Speiseplan der Nager. «Nährstoffreiche Leckerbissen wie Rosinen, Nusshälften oder getrocknete Hagebutten sollten nur selten gefüttert werden und rasche Futterwechsel sind unbedingt zu vermeiden», ergänzt Waiblinger.

Chinchillas und Kinder

Mit ihrem flauschigen Fell sind sie geradezu prädestiniert dazu, von Kindern geknuddelt zu werden. Doch Chinchillas sind ungemein schreckhaft und wollen weder gestreichelt noch herumgetragen werden. Hinzu kommt, dass die possierlichen Kerlchen nachtaktiv und folglich immer dann munter sind, wenn beim Nachwuchs Bettruhe angesagt ist. Kurzum: Chinchillas und Kinder sind keine ideale «Kombination». Es gibt zweifelsfrei Heimtiere, die für Sprösslinge wesentlich besser geeignet sind

Zusätzliche Informationen

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