Glückliche Ratten: Tipps zur tiergerechten Haltung

Ratten sind clever, gesellig und gelten als ideale Heimtiere. Vorausgesetzt, der Mensch erweist sich als idealer Halter.

Bei liebevoller und regelmässiger Zuwendung können Ratten ein inniges Verhältnis zu ihrem Halter aufbauen.
Bei liebevoller und regelmässiger Zuwendung können Ratten ein inniges Verhältnis zu ihrem Halter aufbauen.

(mm) Der Animationsfilm «Ratatouille», in dem die kleine Ratte Remy Kochlöffel schwingend die Herzen der Kinozuschauer erobert, hat geschafft, was vielen Tierfreunden bisher nicht gelungen ist: Die landläufigen Vorurteile zu zerstreuen von der ekligen Ratte, die bloss Krankheiten überträgt und unsauber ist. Viel mehr noch: Die «Pelznasen» sind mittlerweile ganz oben auf der Skala der beliebten Haustiere. Ursula Glatz vom Club der Rattenfreunde CH – einer Sektion des Schweizer Tierschutz (STS) – sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: «Einerseits freut es uns, dass die Ratte hoch im Kurs steht. Andererseits wird es wie schon bei ähnlichen Filmen über Tiere zu unüberlegten Käufen kommen.» Um genau dies zu verhindern, sollten sich Rattenfans ausführlich informieren, bevor sie sich für die Nager entscheid:

Gruppenhaltung

Ratten sind äusserst soziale Rudeltiere, die in der Natur in grossen Familien leben. Entsprechend ist es unabdingbar, sie zu zweit – besser noch zu dritt und mehr – zu halten. Wichtig ist zudem, nur gleichgeschlechtliche Tiere zusammenzusetzen oder aber die Männchen kastrieren zu lassen. Oder möchten Sie, dass Ihr Heim bald von einer tierischen Rasselbande bevölkert wird? 

Unterbringung 

Der Grundsatz ist einfach: Je grösser das Gehege, desto besser. Der STS befürwortet eine Fläche von mehreren Quadratmetern mit vielen Verstecken und Klettermöglichkeiten und rät von den herkömmlichen, meist viel zu kleinen Käfigen ab. Einen guten Lebensraum auf einer relativ kleinen Grundfläche mit mehreren Etagen ermöglicht zudem die «Kleintiervilla» (zu beziehen beim STS). Der Club der Rattenfreunde empfiehlt überdies den so genannten Uni-Dom oder einen selbst umgebauten Rattenschrank (Informationen unter info@rattenclub.ch). Beim Standort des Geheges sollte darauf geachtet werden, dass das Rattenheim an einem ruhigen Ort steht und direkte Sonneneinstrahlung sowie Durchzug vermieden werden. 

Ausstattung

Eine Behausung mit vielen Versteck- und Spielmöglichkeiten ist das A und O. Äste, Etagenbretter, Schlafkästen, Kartonschachteln, Korkröhren, Leitern, Stege, Kletterseile und Hängematten lassen Rattenherzen höher schlagen. Ebenso gern gesehen: Frisches Nage- und Baumaterial. Als Boden und Etagenbelag sind Zeitungen, Tücher und staubfreies Einstreu optimal. Hobelspäne und Heu vertragen Ratten aufgrund ihrer empfindlichen Atemwege hingegen nicht.

Freilauf und menschliche Zuwendung 

Auch wenn der Käfig noch so abwechslungsreich gestaltet wird, sind die täglichen Freilaufstunden für die sehr bewegungsfreudigen Tiere unerlässlich und der Höhepunkt des Ratten-Tages. Wichtig ist, die lebhaften Kerlchen nie unbeaufsichtigt auf Entdeckungstour gehen zu lassen und das Haus rattensicher zu machen, sprich Ausgänge zu verschliessen sowie Elektrokabel und lieb gewonnene Einrichtungsgegenstände vor Nagerattacken zu schützen. Hilfreich ist hier auch ein Angebot an alternativen Knabbermöglichkeiten aus getrocknetem Brot oder Ästen ungespritzter Obstbäume. Ferner muss man ab und zu mit kleinen Urinmarken und Kotbällchen rechnen. Entschädigt wird man dafür mit glücklichen Tieren, die bei liebevoller und regelmässiger Zuwendung ein inniges Verhältnis zu ihrem Halter aufbauen und sehr verschmust sein können.

Nahrung

Neben stets frischem Wasser in Schalen oder Flaschen sollte ein Schüsselchen mit ausgewogenem Körnerfutter sowie Obst und Gemüse (z.B. Gurken, Rüebli, Mais, Salat, Äpfel, Bananen, Trauben) nicht fehlen. Für Abwechslung auf dem Speiseplan sorgen laut STS trockenes Vollkornbrot, Maiskolben, Zweigspitzen von ungiftigen und nicht gespritzten Bäumen wie Buche oder Hasel sowie gelegentlich eine Hasel- oder Baumnuss.

Unter Tierschutz 

Ratte ist nicht gleich Ratte. Unsere Heimtierratten sind im Gegensatz zu den in der freien Wildbahn lebenden Exemplaren in der Natur nicht überlebensfähig, da sie seit über 120 Jahren domestiziert sind. Folglich ist es alles andere als eine gute Idee, die kleinen Nager in die Freiheit zu entlassen. Abgesehen davon ist das Aussetzen von Heimtierratten nach dem Tierschutzgesetz eine Straftat, die geahndet wird.

Literatur

Club der Rattenfreunde CH (Herausgeber): «Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung», zu beziehen unter shop[at]rattenclub.ch oder Telefon 061 753 19 50.

Fressnapf/Harald Brendel Artikel drucken