Glückliche Mäuse: Tipps zur tiergerechten Haltung

Mäuse fängt man bekanntlich mit Speck. Doch Renn- und Hausmäuse haben ganz andere Ansprüche an ihre Halter.

Es wird einem viel geboten, wenn man sich für Renn- oder Hausmäuse als Heimtiere entscheidet.
Es wird einem viel geboten, wenn man sich für Renn- oder Hausmäuse als Heimtiere entscheidet.

(mm) Es wird einem wahrlich viel geboten, wenn man sich für Renn- oder Hausmäuse als Heimtiere entscheidet. Die possierlichen Nager überraschen als gewitzte Innenarchitekten, die unermüdlich ihr Heim mit neuen Gängen und Nestern verschönern. Sie bestechen als gesellige Genossen, die sich liebevoll gegenseitig das Fell putzen und innig zusammen kuscheln. Oder aber als zutrauliche Mitbewohner, die bei ausreichender Geduld des Halters sogar aus dessen Hand fressen. Natürlich immer vorausgesetzt, dieser beachtet einige Dinge hinsichtlich Haltung und Pflege.

In der Natur leben Renn- und Hausmäuse in Familienverbänden und grossen Kolonien. Entsprechend lebenswichtig ist bei Heimtieren der Kontakt zu Artgenossen.
In der Natur leben Renn- und Hausmäuse in Familienverbänden und grossen Kolonien. Entsprechend lebenswichtig ist bei Heimtieren der Kontakt zu Artgenossen.

Einzel- oder Gruppenhaltung?

In der Natur leben Renn- und Hausmäuse in Familienverbänden und grossen Kolonien. Entsprechend lebenswichtig ist bei Heimtieren der Kontakt zu Artgenossen. So sollten mindestens zwei bis drei Mäuse zusammen gehalten werden. Eva Waiblinger vom Schweizer Tierschutz (STS) erachtet bei Hausmäusen weibliche Gruppen für ideal, bei Rennmäusen Gruppen mit Vater und Söhnen oder Mutter und Töchtern. Erwachsene Tiere fremder Würfe seien hingegen kaum aneinander zu gewöhnen. «Gerade Rennmäuse heissen nicht umsonst Meriones unguiculatus, was soviel bedeutet wie kleiner bekrallter Kämpfer. Raufereien sind von Natur aus vorprogrammiert. Für solche Fälle ist es unabdinglich, die Streitwütigen mittels Ersatzkäfig räumlich zu trennen. Sonst kann ein Kampf schon mal tödlich enden», warnt Waiblinger.

Als optimal gelten Terrarien oder Aquarien aus Glas oder Plexiglas, da die kleinen Wühler dort das Einstreu nicht hinaus scharren können.
Als optimal gelten Terrarien oder Aquarien aus Glas oder Plexiglas, da die kleinen Wühler dort das Einstreu nicht hinaus scharren können.

Unterbringung 

Traurig, aber wahr: Häufig wird für Mäusegehege immer noch die Haltung in den Versuchstierlabors als Massstab verwendet. Der STS rät bei einer Gruppe von zwei bis drei Tieren bei Rennmäusen zu einem Gehege, das mindestens 1 m lang, 50 cm breit und 50 cm hoch ist. Bei Hausmäusen sollte es eine Grundfläche von mindestens einem halben Quadratmeter und einer Höhe von 60 cm haben oder aber es sollten mehrere kleine Käfige mit Röhren verbunden werden. Als optimal gelten Terrarien oder Aquarien aus Glas oder Plexiglas, da die kleinen Wühler dort das Einstreu nicht hinaus scharren können. In puncto Standort lautet die Devise: Kein Durchzug, dafür ausreichend Frischluft. Bei den dämmerungsaktiven Hausmäusen bietet sich überdies ein ruhiger, eher etwas dunkler Raum an, wohingegen sich die tagaktiven Rennmäuse liebend gern im warmen Sonnenlicht tummeln.

Klettermöglichkeiten mit Ästen und Leitern, Unterschlupfmöglichkeiten aus Holz und Korkrinden sowie Karton- und Korkröhren sorgen zudem für Abwechslung im Mäuse-Heim.
Klettermöglichkeiten mit Ästen und Leitern, Unterschlupfmöglichkeiten aus Holz und Korkrinden sowie Karton- und Korkröhren sorgen zudem für Abwechslung im Mäuse-Heim.

Ausstattung

Eine Mischung aus groben Hobelspänen, Heu und Stroh sollte bei Rennmäusen mindestens 40 cm hoch in den Käfig eingestreut werden, bei Hausmäusen 20 bis 30 cm. Damit die passionierten Baumeister verzweigte Gänge und Höhlen anlegen können, braucht es häufig frisches Baumaterial wie zum Beispiel langfaseriges Heu und ungefärbtes Haushaltspapier. Klettermöglichkeiten mit Ästen und Leitern, Unterschlupfmöglichkeiten aus Holz und Korkrinden sowie Karton- und Korkröhren sorgen zudem für Abwechslung im Mäuse-Heim. Trinkflasche und Sandbad komplettieren das Gehege ebenso wie umgekehrte Keramikplättli und Steine zum Abwetzen der Krallen. Bei allen Utensilien muss bedacht werden, dass diese stabil auf dem Boden platziert werden, so dass die eifrigen Buddler nicht erdrückt werden. Gereinigt werden muss das Gehege bei Rennmäusen lediglich alle ein bis drei Monate, da die Kleinen nur sehr wenig Harn absetzen. Bei Hausmäusen hingegen ist dies öfter vonnöten, da sie ihr Revier fleissig mit Urin markieren.

Nahrung

Neben frischem Trinkwasser in einer an der Käfigwand oder -decke befestigten Flasche ist ein Teelöffel Körnermischung pro Tag und Maus – direkt ins Gehege gestreut – ratsam. Weitere Elemente des Mäuse-Speiseplans: Obst und Gemüse (z.B. Äpfel, Ruebli, Gurken), etwas Eiweiss (z.B. Quark, Hüttenkäse), frische Wildsämereien, Keimlinge, Katzengras und Haferrispen. Als Nagematerial empfiehlt der STS trockene Zweige von ungespritzten Obstbäumen oder ungiftigen Sträuchern sowie gelegentlich ein Stück hartes Vollkornbrot.

Mäuse und Kinder

Ihr niedliches Aussehen täuscht: Renn- und Hausmäuse eignen sich nur bedingt für Kinder. Gezähmte Tiere nehmen schon mal Futter aus der Hand, lieben es aber überhaupt nicht, herumgetragen zu werden. Aber wenn es Kindern Freude macht, die tierische Rasselbande in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten, dann wiederum sind die interessanten Nager unbestritten allererste Wahl.

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