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Interview mit Sebastian Herkner: «Wir generieren viel zu viel Abfall»

Der vielfach ausgezeichnete deutsche Designer Sebastian Herkner über die aktuellen Entwicklungen im Wohnbereich und seine Verantwortung bezüglich Nachhaltigkeit.

Sebastian Herkner
Sebastian Herkner

Welche Wohntrends begleiten uns im Jahr 2019?

Sebastian Herkner: Ich vermeide den Begriff Trends, denn diese sind auf einzelne Saisons zugeschnitten. Gerade im Interior Design dürfen wir jedoch nicht in so kurzen Zeitabschnitten denken und Möbel produzieren, die wir nach wenigen Jahren bereits entsorgen. Teils fehlen uns schlicht die Ressourcen dafür, denn wir arbeiten mit Materialien, die endlich sind. Marmor zum Beispiel wächst nicht nach. Zudem generieren wir mit unserem Konsumverhalten weltweit viel zu viel Abfall. Als Designer habe ich die Verantwortung, dem entgegenzuwirken. Mir ist es wichtig, langlebige Produkte von guter Qualität zu erzeugen. Möbel sollen Compagnons sein, die uns durch das Leben begleiten.

Beim österreichischen Hersteller Wittmann kann man Sofa und Sessel neu beziehen lassen. Im Bild: Der von Sebastian Herkner entworfene Stuhl «Merwyn» von Wittmann.
Beim österreichischen Hersteller Wittmann kann man Sofa und Sessel neu beziehen lassen. Im Bild: Der von Sebastian Herkner entworfene Stuhl «Merwyn» von Wittmann.

Möbel in schrillen Tönen verleiden einem schnell. Bedeutet Nachhaltigkeit für Sie, dass wir im Innenbereich dezente Farben einsetzen?

Jein. Ich bin kein Anhänger einer monochromen Einrichtung und fände es falsch, nur mit Schwarz, Weiss, Beige oder Braun zu arbeiten. Es kommt aber darauf an, wie man Farbe verwendet. Entscheidet man sich für mutige Farben, muss man sie im Raum gut verbinden, sodass sie harmonieren. Man kann zum Beispiel für das Sofa als Key Piece eine kräftige Farbe wählen und für den dazugehörigen Sessel eine zurückhaltende. Oder man setzt die Farbakzente bei der Wand, beim Teppich oder beim Vorhang. Denn wie viel Farbe ein Raum verträgt, ist eine subjektive Einschätzung.

Sebastian Herkner hat für den Outdoor-Hersteller Dedon den Schaukelstuhl «Mbrace» entworfen.
Sebastian Herkner hat für den Outdoor-Hersteller Dedon den Schaukelstuhl «Mbrace» entworfen.

Sehen Sie eine Tendenz zu mehr Flexibilität beim Wohnen?

Mobilität ist tatsächlich ein grosses Thema. Sie zeigt sich einerseits in der Architektur. Räume verschmelzen oder lösen sich auf. Schlafen und Bad sind miteinander verbunden, Wohnen und Kochen sowieso. Auch Arbeiten kann man heute dank Laptop überall, sodass das räumlich verortete Home Office an Bedeutung verliert. Andererseits werden die Produkte selbst mobiler. Licht kann uns dank Akkus heute überallhin folgen. Früher war Aussenlicht entweder Feuer oder eine Lichterkette, heute können wir uns mit der Leuchte unter den Kirschbaum setzen. Eine ähnliche Entwicklung haben die Outdoor-Möbel erfahren. Der Sitzkomfort hat sich unglaublich verbessert, und wir haben mit dem Schaukelstuhl, dem Ohrensessel und der Lounge ganze Möbeltypologien nach draussen geholt. Indoor wird zu Outdoor.

Die minimalistische Stuhlreihe «118» von Thonet wurde von Sebastian Herkner weiterentwickelt.
Die minimalistische Stuhlreihe «118» von Thonet wurde von Sebastian Herkner weiterentwickelt.

Gerade in Städten wohnen viele Menschen in Einpersonenhaushalten, die tendenziell klein sind. Was bedeutet das fürs Wohnen?

Die Möbel müssen sich dieser Entwicklung anpassen. Sie werden kleiner, oder sie lassen sich modular so zusammenstellen, dass Lösungen mit geringen Massen möglich sind. In Zukunft dürfte dieser Aspekt noch wichtiger werden, denn die Mieten werden weiter steigen.

Die Leuchte «Stellar» hat Sebastian Herkner für den Leuchtenhersteller Pulpo entworfen.
Die Leuchte «Stellar» hat Sebastian Herkner für den Leuchtenhersteller Pulpo entworfen.
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