Bilder und Kunst richtig präsentieren

Kunst kann grosse Wirkung erzeugen, wenn man weiss, wie man sie richtig in Szene setzt. Um Kunst in die Wohnung zu integrieren, sind jedoch zuvor einige Überlegungen anzustellen.

Ein Gemälde wird mit Vorteil nach der Wirkung ausgesucht, die es haben soll.
Ein Gemälde wird mit Vorteil nach der Wirkung ausgesucht, die es haben soll.

(mei/stö) Kunst ist immer ein Spiegel unserer Persönlichkeit. Ob wir Kinderfotos, Souvenirs von unseren Abenteuerreisen oder eine Ahnengalerie zeigen – immer geben wir damit etwas von uns selbst preis.

Der Weg zur Kunst

Wie aber kommt man zur Kunst? «Nicht alles, was man aufhängt, ist immer Kunst. Die erste Frage richtet sich daher vielmehr danach, was man sich leisten kann und wie man Kunst angeht», sagt Lis Schüpbach, langjährige Inneneinrichterin beim Berner Einrichtungshaus teo jakob. Junge Leute, die noch nicht über viel Geld verfügen, seien zu Beginn mit einem schönen Wechselrahmen gut bedient. «Wer eine Kunstausstellung besucht und Gefallen am Plakat findet, kann sich dieses kaufen und in den Wechselrahmen hängen».

Kontakt mit Künstlern

Als nächste Stufe schlägt Lis Schüpbach den Erwerb einer Lithographie vor, die noch kein Vermögen kostet. Danach würde langsam aber sicher der Kauf eines Originals anstehen. «Wenn man genügend Interesse hat, so ergibt sich vielleicht ein Kontakt mit der entsprechenden Künstlerin oder dem Künstler, zum Beispiel an der Vernissage. Über solche Kontakte lernt man die Kunst besser zu begreifen, man kann sich diese erläutern lassen und hat anschliessend eine vielfältigere Beziehung zum Werk an der eigenen Wand». Einher mit der Absicht, der Kunst die eigenen Türen zu öffnen, gehe aber auch die Bereitschaft zu lernen und Empfehlungen von Fachleuten entgegenzunehmen.

Je grösser ein Gemälde ist, desto mehr Platz braucht es in der Regel.
Je grösser ein Gemälde ist, desto mehr Platz braucht es in der Regel.

Stil-Mix ein Sakrileg?

Von einer Mischung verschiedener Stile rät die Inneneinrichterin nicht zwingend ab: «Solange der Stil-Mix nicht zu einer Abwertung einer bestimmten Richtung führt, kann nicht von einem Sakrileg gesprochen werden». Lis Schüpbach würde zwar ein kostbares Bild nicht neben ein Kinderfoto hängen, aber es sei durchaus denkbar, eine Ecke mit schönen Fotografien zu dekorieren und beispielsweise im Wohnzimmer über dem Sofa ein schönes Original aufzuhängen. Letztendlich bestehe die Herausforderung darin, dass die Kunstwerke nicht nur zueinander, sondern vor allem auch zu den Bewohnern passen.

Keine eigentlichen Trends

Nach Ansicht von Lis Schüpbach existieren keine eigentlichen Trends für Kunst in der Wohnung. Allerdings gebe es Künstler, die zurzeit mehr gefragt seien als andere. Dies führe dazu, dass deren Werke verhältnismässig häufig anzutreffen seien, wie früher beispielsweise Bilder von Hundertwasser und heute Werke von Rolf Knie.

In Gruppen und mindestens an einer Kante ausgerichtet zeigen sich auch kleine Bilder in einem guten Licht.
In Gruppen und mindestens an einer Kante ausgerichtet zeigen sich auch kleine Bilder in einem guten Licht.

Vom Aufhängen der Bilder

Ob die Bilder einzeln oder zu mehreren zusammengestellt werden sollen, dazu weiss die englische Galeristin und Kunstexpertin Tiddy Rowan in ihrem Buch «Wohnen mit Kunst» Rat: Je grösser ein Gemälde sei, desto mehr Platz brauche es in der Regel, damit man es aus einiger Entfernung betrachten kann. Wichtig sei insbesondere, dass das Bild die Wand nicht mit anderen Werken teilen müsse.

Eine einheitliche Oberkante ist ein geeignetes Mittel zur Präsentation einer ganzen Gruppe.
Eine einheitliche Oberkante ist ein geeignetes Mittel zur Präsentation einer ganzen Gruppe.

Genau umgekehrt verhält es sich mit kleinen Bildern, schreibt Rowan. Hier müsse der Betrachter die Möglichkeit haben, nah an sie heranzutreten, damit er die Einzelheiten überhaupt wahrnehmen könne. Eine Platzierung über grossen Möbelstücken findet die Expertin deshalb ungeeignet. Zudem wirkten kleine Bilder im Gegensatz zu grossen allein verloren – sie bräuchten ein Arrangement in einer Gruppe. Für aussagekräftige Gruppierungen nennt Rowan etliche Möglichkeiten. Bei Bildern in gleichen Formaten empfiehlt sie zum Beispiel, jedes Stück im gleichen Abstand zum nächsten aufzuhängen. Auch eine einheitliche Oberkante sei ein geeignetes Mittel zur Präsentation einer ganzen Gruppe.

Knacknuss plastische Kunst

Plastiken gehören zum schwierigsten zum Ausstellen. Für Lis Schüpbach gilt grundsätzlich: «Eine wertvolle Plastik sollte stets auf einem Sockel zu stehen kommen, ausser es handelt sich um ein ohnehin schon sehr grosses Objekt». Auch der Raum darum herum sei von grosser Wichtigkeit. So sei unbedingt darauf achten, dass eine Plastik nicht in unmittelbarer Nähe von Zimmerpflanzen zu stehen komme.

In ihrem Buch zeigt die Autorin Tiddy Rowan mit vielen Illustrationen, wie man ohne grossen Aufwand an Schönes und Dekoratives gelangt, wie man Kunstwerke günstig erwirbt und wie man sein eigenes Kunstprofil entwickeln kann. Die Autorin gibt viele Tipps für die richtige Rahmung und Hängung der Bilder, erläutert verschiedene Kunstrichtungen und erklärt, wie Kunst in die verschiedensten Raumsituationen integriert werden kann.

Tiddy Rowan: «Wohnen mit Kunst». Callwey 2007, 192 Seiten, 219 Farbfotos, gebunden, ISBN 978-3-7667-1695-8, 72.50 Franken

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