Trends für Tische

Die neuen Tische zelebrieren mit ihrer Adaptionsfähigkeit die Leichtigkeit der Vielfalt – und das in allen Lebenssituationen.

«Wedge» von Living Divani, «Ivy» von Emu, «Wogg48» von Wogg, «Plato» von Maxdesign
«Wedge» von Living Divani, «Ivy» von Emu, «Wogg48» von Wogg, «Plato» von Maxdesign

(mei) Tische fristeten bislang unter den Designmöbeln und in der Aufmerksamkeit ihrer Benutzer ein eher stiefmütterliches Dasein – was nicht weiter erstaunt, schliesslich kann nicht jeder Tisch ein Kultobjekt sein, das unter dem schlichten Namen seines Designers die Welt erobert, wie dies der «Tisch Saarinen» tut. Dennoch ist Konkurrenz für das berühmte Objekt des Architekten und Designers Eero Saarinen in Sicht. Frei nach Gertrude Stein ist es heute vorbei mit der Einfachheit des Seins: Ein Tisch ist nicht mehr nur ein Tisch, sondern Arbeits- als auch Esstisch, drinnen als auch draussen einsetzbar und hoch und tief oder gross und klein zugleich. Mag auch keine der Neuheiten ganz an das grosse Vorbild aus Finnland herankommen, so wird doch klar, dass ihm einige zumindest in Sachen Vielseitigkeit den Rang abgelaufen haben. Andere Tische wiederum messen sich mit der Schönheit ihrer Linienführung am grossen Vorbild aus dem Norden. Und wieder andere tun weder das eine noch das andere, sind aber so schräg, dass wir sie hier dennoch erwähnen wollen.

Die Qual der Wahl

Wer sich für Arik Levys Tisch «Wedge» entscheidet, muss genau wissen, was er will. Living Divani vertreibt den Tisch, für dessen Fuss die Leichtigkeit von Origami Pate stand, viereckig und oval, in einer Holzversion für drinnen und einer Aluminiumversion für drinnen wie auch draussen sowie in mehreren Farben. Nur in Weiss erhältlich ist die neue Outdoor-Tischserie «Ivy» von Paola Navone, die in der bekannten Netzstruktur der Kollektion gehalten ist. Der italienische Hersteller Emu bietet den Tisch dafür rund, rechteckig sowie in drei Grössen auch quadratisch an. Gleich in einer Vielzahl von Abmessungen und Farben ist die Home-Office-Linie «Plato» von Maxdesign auf den Markt gebracht worden, die Hannes Wettstein noch entwickelt hat. Einen anderen Weg geht Wogg mit dem bereits 2008 lancierten Arbeitstisch «Wogg48»: Der Stoff, mit dem sein Untergestell bezogen ist, verbirgt nicht nur sämtliche Kabel, sondern ist auch so elastisch, dass er problemlos 50 cm in die Höhe gezogen werden kann – und schon ist «Wogg48» ein Stehtisch.

Simply beautiful

«Slim Line» von Dedon, «Aki» von Fredericia, «Canaletto» und «Elica» von Zanotta
«Slim Line» von Dedon, «Aki» von Fredericia, «Canaletto» und «Elica» von Zanotta

Vier sehr unterschiedliche Tische für unterschiedliche Stilrichtungen sind Jean-Marie Massauds «Slim Line» für Dedon, Alfredo Häberlis «Aki» für Fredericia sowie «Canaletto» von Emaf Progetti und «Elica» von Prospero Rasulo, die beide aus dem Hause Zanotta stammen. Allen gemeinsam ist eine kühne Formsprache, die bei «Slim Line» von feinen Konturen und kleinen Details lebt, während bei «Aki» sofort die atypische Anordnung der Beine ins Auge auffällt. Zanotta hingegen setzt ganz auf raffinierte Herstellungsverfahren, sei es gebürstetes Nussholz wie bei «Canaletto» oder die Kombination von Kunststoff und Marmor wie bei «Elica».

«Fleur de Novembre» von Kartell, «Flower Table» von Moroso
«Fleur de Novembre» von Kartell, «Flower Table» von Moroso

Seltsame Blüten

Und dann gibt es noch diejenigen Möbel, vor denen Besucherinnen nur noch sprachlos staunen und mit NZZaS-Redaktor Jeroen van Rooijen fragen: «Wie sehen Sie denn aus?» Offensichtlichster Kandidat für diese Kategorie ist der Tisch «Fleur de Novembre», dessen Fuss Fabio der Designer Novembre für Kartell mit einem solchen Kaleidoskop an Farben entwickelte, dass er mit keiner Einrichtung harmonieren kann – ob er deshalb auch in dezenteren Tönen erhältlich ist? Weniger unpassend als unfertig ist dagegen Tord Boontjes «Flower Table», dessen Platte einen halben Wald enthält und dementsprechend uneben bleibt. In weiser Voraussicht hat Moroso diesen Albtraum aller Gastgeber bloss als Prototypen fabriziert.

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