Neue Holzherde für die Küche

Früher weit verbreitet, gerieten Holzherde mit dem Aufkommen von Elektrogeräten ins Hintertreffen. Zu Unrecht: Moderne Holzherde stehen Elektroherden in nichts nach.

Kombination aus Holzherd (links) und Elektroherd (rechts)
Kombination aus Holzherd (links) und Elektroherd (rechts)

(mei) Rauchige Küchen, in denen Generationen vor uns wirkten und eine Essenszubereitung, die an Erlebnisse rund ums Lagerfeuer erinnert: Beim Stichwort Holzherde denken viele an eine veraltete Technologie, die mit viel Aufwand betrieben werden muss. Mit der Realität haben solche Bilder nichts gemein: Ein heutiger Holzherd ist alles andere als ein Anachronismus.

Ein (Fast-)Alleskönner

Zum einen sind Holzherde multifunktional: Beheizt mit Holz oder Holzpellets, lässt sich ein Holzherd je nach Ausstattung nur zum Kochen oder zum Kochen und Backen verwenden. Zum andern ist bei allen Geräten die Abgabe von Heizwärme mit dabei, weshalb Holzherde vor allem in der Übergangszeit und im Winter zum Einsatz kommen. Zudem kann der Holzherd an eine Ofenbank oder «Chouscht» angeschlossen werden, so dass er nebst der Küche einen weiteren Raum beheizt. Möglich ist auch eine Verwendung als Zentralheizungsherd mit einer Leistung bis zu 24 kW für die Speisung der Radiatoren oder Bodenheizung und die Aufbereitung von Warmwasser. Und wem das alles zu «heiss» ist, der ist mit einem kombinierten Holz-/Elektroherd gut bedient, der wahlweise mit Holz oder Strom betrieben wird. «Das Kochen mit Strom ist besonders im Sommer, wenn keine zusätzliche Wärme erwünscht wird, ein Vorteil», sagt Lukas Bühler, Geschäftsführer des Familienunternehmens Tiba. Die Abstrahlung dürfe allerdings nicht überbewertet werden: Nur wer länger als 60 Minuten einfeuert, muss mit einer spürbaren Raumerwärmung rechnen, meint Bühler.

Ein Flammenspiel für ein gemütliches Ambiente: Auch das ist modernes Kochen.
Ein Flammenspiel für ein gemütliches Ambiente: Auch das ist modernes Kochen.

Grosse Vielfalt für individuelle Bedürfnisse

Keine zwei Holzherde sind gleich: Die geschätzten 2000 Holzherde, die jährlich in der Schweiz verkauft werden, sind in der Regel individuelle Massanfertigungen, die von spezialisierten Herstellern eigens nach den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden gefertigt werden. So erstaunt es nicht, dass Holzherde in allen Farben und mit einer Vielzahl an möglichen Unterbauelementen erhältlich sind – ganz wie «normale» Herde, von denen sie sich äusserlich kaum unterscheiden. Einzige Ausnahmen: Kombigeräte weisen zwei separate Herdflächen auf, wobei für den eigentlichen Holzherd sowohl Glas-Keramik als auch Gussplatten in Frage kommen. Und wer beim Holzherd ein Sichtfenster mitbestellt, geniesst wie beim Cheminéeofen ein Flammenspiel. Die Preise widerspiegeln die Vielseitigkeit der Ausstattung: Während ein einfaches Elektro-Rechaud mit Gussplatte bei Tiba ab 900 Franken erhältlich ist, kostet ein Holzherd zwischen 3500 und 7000 Franken. Für einen voll ausgebauten Kombiherd mit Holzherd, Holzbackofen, Elektroherd und Kombi–Steamer-Backofen hingegen müssen ca. Fr. 14'000 investiert werden.

Kurzes Einheizen reicht aus

Voraussetzung für die Installation eines Holzherds ist ein Kamin. Muss dieses nachträglich eingebaut werden, empfiehlt sich ein Aussenkamin, welcher der Fassade entlang gezogen wird. Die Handhabung des Holzherdes selbst ist einfacher als gedacht, sagt Bühler: «Inklusive Einfeuern dauert es 12 Minuten, bis zwei Liter Wasser kochen. Und brennt der Herd erst einmal, bringt er eine höhere Leistung als ein Elektroherd.» Um die Kochleistung aufrechtzuerhalten, müssen nach dem Einfeuern alle 30 Minuten zwei Scheite auf die Glut nachgelegt werden. Auf diese Weise ist auch eine gleich bleibende Heizleistung gewährleistet, die mit derjenigen eines Cheminéeofens vergleichbar ist. So erweist sich der stromunabhängige, C02-freie, multifunktionale (Fast-)Alleskönner als valable Alternative zum herkömmlichen Herd. Ob das Essen, das auf und in ihm zubereitet wird, aber tatsächlich besser schmeckt, wie mancherorts behauptet wird, muss jeder für sich entscheiden.

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