Farbmelodie mit feinen Nuancen

Farben, die man spürt, bevor man sie sieht: Die Farbgestalterin Barbara Hodel hat in einem alten Haus im bernischen Rossfeldquartier mit leisen Tönen ein Wohlfühlambiente erzeugt.

Für das Wohnzimmer mit seinen schwarzen Möbeln wurden mit Warmweiss und Greige für Decke und Wand helle, leichte Farben gewählt.
Für das Wohnzimmer mit seinen schwarzen Möbeln wurden mit Warmweiss und Greige für Decke und Wand helle, leichte Farben gewählt.

(mei) Wer das ruhig gelegene Einfamilienhaus betritt, fühlt sich sofort geborgen. Raum für Raum wirkt das Interieur leise und ausgewogen, ohne je langweilig zu sein. Dieser harmonische Gesamteindruck ist das Resultat behutsam aufeinander abgestimmter Farbnuancen, die bis auf wenige Ausnahmen durch starke Zurückhaltung geprägt sind und das Motto «weniger ist mehr» richtiggehend zelebrieren. Dabei fing alles ganz anders an: Als sich die Bauherrin an die Burgdorfer Farbgestalterin Barbara Hodel wandte, wollte sie ursprünglich eine bunte Wand im Wohnzimmer. Schon im ersten Gespräch zeigte sich jedoch, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Familie anders aussahen. «Die Bauherren wünschten sich eine zurückhaltende Atmosphäre für ihr Haus, damit man sich gerne in ihm aufhält», sagt Hodel. Nach nur zwei Wochen waren die 18 Farbtöne für Wände, Decken und Holzrahmen bestimmt, mit denen dieser Effekt erzielt werden sollte. Farbmuster in A4-Format und einige Probeanstriche machten der Bauherrin die Entscheidung leicht.

Beim Erker, der dem Kinderzimmerbett gegenüber liegt, entschied sich die Bauherrschaft für ein zartes Hellblau. Das Hochbett der Tochter wird von einem kräftigen Mint umrahmt.
Beim Erker, der dem Kinderzimmerbett gegenüber liegt, entschied sich die Bauherrschaft für ein zartes Hellblau. Das Hochbett der Tochter wird von einem kräftigen Mint umrahmt.

Die Wahl fiel auf viele helle Töne, die sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden, sowie auf einige sehr dunkle Farben mit hohem Braunanteil. Knallige Effekte sucht man auf der Farbpalette hingegen vergebens. Das einzig Bunte ist ein vergleichsweise kräftiges Mint, welches das in einem Erker gelegene Hochbett der Tochter einfasst.

Spiel der Gegensätze

Für ein Einfamilienhaus entwirft Hodel gewöhnlich eine Farbpalette mit um die 20 einzelnen Tönen. Was nach einem kunterbunten Durcheinander klingen mag, ist so zusammengestellt, dass jeder Farbton zum andern passt. «Wer durch ein Haus geht, nimmt im Unterbewusstsein alle Farben mit. Deshalb muss der Farbton der Decke in der Küche mit demjenigen der Wand im Kinderzimmer harmonieren, selbst wenn sich die Zimmer nicht im gleichen Geschoss befinden», erklärt Hodel, die mit ausgewählten Kontrasten für die nötige Würze in ihren Farbrezepten sorgt.

Die Schlafzimmerdecke sorgt für ein Gefühl des Eingebettetseins. Das Gelb des Korridors zeigt sich verschieden je nach Lichtfall.
Die Schlafzimmerdecke sorgt für ein Gefühl des Eingebettetseins. Das Gelb des Korridors zeigt sich verschieden je nach Lichtfall.

Im Schlafzimmer hat sie deshalb zum rötlichen Buchenparkett für die Wände einen grauen Farbton ausgesucht, während für die Decke eine farbliche Eigenkreation zum Einsatz kam: Der dunkle Farbton «Caput mortuum» ist eine Mischung aus Aubergine und Braun und soll im Schlafzimmer für viel Behaglichkeit sorgen. Zur Harmonisierung des kühlen Nordlichts im Korridor hat Hodel ein sanftes Gelb vorgeschlagen, das anregend wirkt und deshalb die Funktionalität des Raumes unterstützt.

Die Wandfarbe des offenen Essbereichs hebt sich stark von der Küchenwand ab. In der Küche bilden die Farbe des Chromstahls und das tiefe Braun einen stimmungsvollen Kontrast.
Die Wandfarbe des offenen Essbereichs hebt sich stark von der Küchenwand ab. In der Küche bilden die Farbe des Chromstahls und das tiefe Braun einen stimmungsvollen Kontrast.

In der Küche hingegen suchte sie einen Ausgleich zum kühlen Chromstahl, den sie mit einer Wandfarbe in einem warmen Dunkelbraun realisierte. «Die Farbe muss zur Einrichtung passen. Zu den schwarzen Möbeln im Wohnzimmer haben wir deshalb Wände in Greige ausgewählt, einer Farbe, die zwischen Grau und Beige liegt und in etwa dem Schattenton einer weissen Wand entspricht», meint die Farbgestalterin.

Barbara Hodel zeigt den Farbfächer, den sie für die Gestaltung benutzt hat. Die Decke im Bad ist in Braungrau gehalten, während für die Wand Steinweiss gewählt wurde.
Barbara Hodel zeigt den Farbfächer, den sie für die Gestaltung benutzt hat. Die Decke im Bad ist in Braungrau gehalten, während für die Wand Steinweiss gewählt wurde.

Hochwertige Materialien

Hodel arbeitet bevorzugt mit Farben mit mineralischen Farbpigmenten und natürlichen Bindemitteln. Im Gegensatz zu Farben aus Erdöldestillaten zeichnen sich diese durch einen tieferen Farbton mit einer samtenen Wirkung aus und altern lebendiger. Einzig für anspruchsvolle Bereiche wie Korridor und Kinderzimmer hat die Bauherrschaft widerstandsfähigere Emulsionsfarben gewählt. «Nach der Umnutzung einiger Zimmer mit den entsprechenden Möbeltransporten hat die ursprüngliche Farbe im Gang ziemlich gelitten. Deshalb haben wir uns für einen erneuten Anstrich mit einem robusteren Material entschieden», meint die Bauherrin. Aufgetragen wurde sie mit der Bürste durch ihren Mann, der im Haus wo immer möglich selbst Hand anlegt. «Durch das Bürsten wirkt die Farbe lebendiger als durch ein blosses Aufrollen», verrät Hodel, deren Farbkonzept auch Details wie die Auftragungsmethode enthält. Das Resultat ist ein Haus, in dem sich aus jedem Winkel schöne Perspektiven eröffnen.

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