Wohnen mit Farben: Wie Farben wirken

Machen Sie sich die Kraft der Farben zu Eigen und schaffen Sie ein Zuhause voller Atmosphäre und Wohlbehagen.

Jede Farbe besitzt ein eigenes elektromagnetisches Spektrum mit einer ganz bestimmten Wellenlänge, die im menschlichen Körper gewisse Reaktionen auslöst.
Jede Farbe besitzt ein eigenes elektromagnetisches Spektrum mit einer ganz bestimmten Wellenlänge, die im menschlichen Körper gewisse Reaktionen auslöst.

(mm) Wussten Sie, dass die Farbe Rot ein Ansteigen des Blutdruckes oder eine Beschleunigung des Pulsschlages beim Betrachter hervorrufen kann? Oder das Blau die Konzentrationsfähigkeit positiv zu beeinflussen vermag? So hat jede Farbe ihre Wirkung. Oder anders formuliert: Jede Farbe besitzt ein eigenes elektromagnetisches Spektrum mit einer ganz bestimmten Wellenlänge, die im menschlichen Körper gewisse Reaktionen auslöst. Und auch wenn dies jeder anders empfindet, bestehen dennoch einige Parallelen in der Art und Weise, wie Menschen Farben erleben. Und vor allem: Wie Farben auf sie wirken.

Tauchen Sie ein die faszinierende Welt der Farben und setzen Sie sie gezielt in Ihrem Zuhause ein. Ob Wände, Möbel, Stoffe oder Accessoires – die Gestaltungsfelder sind vielfältig. Und das Wohlfühlpotenzial beträchtlich. Vorausgesetzt, Sie wissen, mit welcher Farbe Sie welche Akzente erzielen können. Unser kleines «Farb-Einmaleins» hilft Ihnen, «ins Schwarze» zu treffen:

Das kleine Farb-Einmaleins

Gelb: Wärme - Heiterkeit - Anregung

Gelb ist dem Sonnenschein am nächsten und entsprechend gelingt es dieser Farbe mühelos, kalte Räume einladend zu erwärmen und dunkle aufzuhellen. Gelb zaubert eine freundliche, heitere Atmosphäre und kann sogar das Aufwachen am Morgen erleichtern. Der Optimismus wird zudem gefördert und das Denken belebt. Wenn Sie viel geistig arbeiten, ist dieser Farbton daher in der Regel das «Gelbe vom Ei» für Sie. In Kombination mit gelblichem Licht sollte Gelb hingegen sparsam dosiert werden, da dies das Nervensystem überstimulieren kann.

Orange: Lebendigkeit - Kreativität - Geselligkeit

Orange steckt an und reisst mit. Diese Farbe strotzt vor Vitalität und Energie. Doch Orange kann noch mehr: Zum Beispiel einen Raum erwärmen, die Kreativität anregen oder eine gesellige Atmosphäre schaffen. Ausserdem wird diesem Farbton nachgesagt, die Verdauung günstig zu beeinflussen. Ein Tupfer Orange im Essbereich ist daher meistens eine ausgezeichnete Wahl. Ein Zuviel an Orange kann demgegenüber die Sinne strapazieren und Nervosität verbreiten.

Rot: Aufmerksamkeit - Vitalität - Sinnlichkeit

Einfach nicht zu übersehen – das ist Rot. Es fällt auf, sticht hervor, macht aufmerksam und setzt in Gang. Die Wärme von Rot aktiviert Körper und Geist und lässt Innenräume lebendig und dynamisch wirken. Entsprechend passt dieser Farbton am besten in kalte Räumlichkeiten und solche, in denen viel Bewegung herrscht wie beispielsweise Flur, Küche und Spielzimmer. Rot vermittelt darüber hinaus ein Flair von Sinnlichkeit, denn nicht umsonst gilt es als Farbe der Liebe.

Im Übermass kann Rot bedrückend oder aggressiv empfunden werden. Weniger ist daher auch hier meist mehr.

Violett: Eleganz - Konzentration - Inspiration

Sie ist die Geheimnisvolle unter den Farben. Violett erzählt von Extravaganz, Luxus und Eleganz und verleiht – gezielt und sparsam eingesetzt – einem Raum das gewisse Etwas. Ferner unterstützt Violett Ruhe und Sammlung, kann inspirierend sein und Kreativität, Sinne und Geist anregen. Auch bei diesem Farbton ist das richtige Mass entscheidend, denn nicht selten überfordern die Intensität und Dramatik von Violett.

Blau: Frische - Ruhe - Harmonie

Erleben Sie Ihr «blaues Wunder», was Blau alles kann. Es kann heisse, stickige Zimmer abkühlen, kleine Räume grösser erscheinen lassen und Frische und Sauberkeit verkörpern. Blau ist überdies die Farbe der Ruhe, Entspannung und Harmonie. Nach einem stressigen Arbeitstag ist eine Portion Blau deshalb genau das Richtige. Und wenn Sie an Schlaf- oder Konzentrationsproblemen leiden sowieso.

Die Kehrseite von Blau: Es kann kühl und steril wirken, insbesondere, wenn es ausschliesslich mit kalten Farben kombiniert wird.

Grün: Vielseitigkeit - Natur - Entspannung

Mit dieser Farbe ist fast alles im «grünen Bereich». Aufgrund seiner Vielseitigkeit steht Grün fast jedem Zimmer und lässt sich mit nahezu jedem Farbton kombinieren. Als Farbe der Natur schafft Grün des Weiteren Wohlbehagen, ein Gefühl von Ruhe und Weite sowie Zeit und Raum zum Luftholen. Das naheliegendste Mittel, um diesen Naturton in die eigenen vier Wände zu holen, sind Pflanzen. Und diese haben nicht nur den Vorteil, schön und lebendig zu sein, sondern tun obendrein Ihrer Gesundheit etwas Gutes.

Vorsicht geboten ist jedoch bei dunklerem Grün. Es kann schwer auf einem Raum lasten wie auch Grün allein häufig kalt und neutral erscheint.

Braun: Erde - Geborgenheit - Stabilität

Braun ist die Farbe von Mutter Erde. Dieser warme Farbton strahlt Geborgenheit, Schutz und Stabilität aus. Entsprechend ist Braun ideal, um einen persönlichen Rückzugsort zu gestalten und eine behagliche Atmosphäre zu verbreiten. Stehen jedoch Aktivierung und Vitalisierung im Zentrum, sollten Sie zu einem anderen Farbtopf greifen.

Schwarz: Kontrast - Blickfang - Inspiration

Sparsam, sparsam, sparsam – so lautet die Devise beim Einsatz von Schwarz. Denn dieser Farbton kann sehr hart und abweisend sein, negative Einstellungen fördern und Energie rauben. Auf der anderen Seite inspiriert Schwarz und unterstreicht die Wirkung anderer Farben.

Auch verleihen kleine schwarze Gegenstände einem Zimmer die entscheidende Tiefe und Spannung. In China gilt Schwarz gar als glückbringend und wird bevorzugt mit leuchtendem Rot kombiniert. Und auch die Japaner präsentieren diese Farbe gern als Blickfang – und zwar mit warmen, natürlichen Materialien in Braun- und Goldbraun. Es gibt also keinen Grund, hier «schwarz zu sehen».

Weiss: Kontrast - Helligkeit - Offenheit

Waren Sie schon einmal in einem vollkommen weissen Raum? Ein solcher ist nahezu genauso beängstigend wie ein völlig schwarzer. Zu viel Weiss oder blaustichige Weisstöne muten klinisch und distanziert an. Reines Weiss sollte daher lediglich als Kontrast zu anderen Farben eingesetzt werden und eignet sich z. B. hervorragend für Türen und Decken, wenn die Wände farbig sind.

Oder aber Sie mischen dem Weiss einen Schuss Farbe bei: Dies lässt ein Zimmer frisch und hell erstrahlen, ohne steril zu wirken und offenbart zudem ein Gefühl von Weiträumigkeit. Wenn Sie Zeit und Raum zum Nachdenken brauchen, vermittelt Ihnen Weiss oft auch die nötige Portion Freiheit und Offenheit.

Tipps für den bewussten Farbeinsatz

  • Überlegen Sie vor dem Griff zum Pinsel, welchem Zweck der zu gestaltende Raum dienen soll und welche Menschen darin wohnen: Haben diese Probleme, die durch bestimmte Farben abgemildert oder verschlimmert werden können? Oder gibt es positive Wirkungen, die verstärkt werden können?

  • Beziehen Sie auch Boden, Möbel und Stoffe in Ihre Gestaltungspläne mit ein. Denn oftmals ist es leichter und vor allem kostengünstiger, ein Zimmer nachträglich neu zu streichen als teure Möbel und wertvolle Teppiche zu ersetzen.

  • Bei der Farbwahl ist es zudem ratsam, die Grösse und Helligkeit eines Raumes zu berücksichtigen: Beispielsweise erscheinen kleine und dunkle Zimmer grösser, wenn sie in einer einzigen hellen Farbe gestrichen sind. Allgemein gilt: Je kräftiger die Farbe, desto kleiner wirkt ein Raum. Des Weiteren strahlen alle Farben auf grossen Flächen intensiver als auf kleinen. So kann eine grosse Wand in einer sehr kräftigen Farbe schnell beengend sein und Unbehagen auslösen.

  • Ebenfalls ein wichtiges Kriterium: Die Form eines Zimmers. Denn auch diese kann durch gezielten Farbeinsatz anders wahrgenommen werden. Eine dunkle Decke lässt z. B. hohe Räume niedriger erscheinen, wohingegen eine helle optisch streckt.

  • Auch das Zusammenspiel von Farbe und Licht kann positiv genutzt werden: Wenn Sie beispielsweise einen Raum in Weiss tauchen möchten, dann überzeugen Sie sich am besten im Vorfeld, wie viel Tageslicht in das Zimmer fällt. Denn zu viel Weiss in einem hellen Raum wirkt deprimierend und strapaziert das Auge. Dunkle Farben hingegen kommen in Kombination mit Sonnenlicht optimal zur Geltung, wohingegen sie abends bei künstlichem Licht um einige Nuancen dunkler ausfallen.

  • Sie möchten einen Akzent setzen und eine Zimmerwand in einer anderen Farbe streichen? Dann wählen Sie möglichst eine Wand, die weder Tür noch Fenster hat. Einheitliche Wandflächen sorgen nämlich dafür, dass die Farbenergie erhalten bleibt und nicht zerstreut wird.

  • Bei allen Tipps und Empfehlungen sollten Sie jedoch vor allem eines nicht vergessen: Haben Sie Spass am «Farben-Spiel» und wagen Sie Experimente! Denn: Farbentscheidungen sind schliesslich keine Lebensentscheidungen. Und jede Wand kann nahezu beliebig oft überstrichen werden.

Zusätzliche Informationen

ImagePoint (Marina Horvat, foto-begsteiger.com) Artikel drucken