Kreative Lösungen für Räume mit Doppelfunktion

Aus eins mach zwei. Oder: Lassen Sie sich überraschen, was in einem Raum alles möglich ist.

Kochen und Essen - diese Bereiche gehen wie von selbst ineinander über.
Kochen und Essen - diese Bereiche gehen wie von selbst ineinander über.

(mm) Tagsüber Arbeiten, abends Schlafen. Gerade noch Küchenzauber und im nächsten Moment trautes Essen bei Kerzenschein. Es gibt wahrlich viele Möglichkeiten, einen Raum auf unterschiedliche Weise zu nutzen. Bevor Sie sich für die passende Kombination entscheiden, sticht jedoch ein Ratschlag: Planen Sie Raumaufteilung und Einrichtung mit Bedacht. Mehrfachnutzung erscheint auf den ersten Blick oft komfortabler als sie tatsächlich ist. Denn nicht alle Möbel lassen sich ohne Aufwand doppelt verwenden. Oder möchten Sie inmitten einer langwierigen Schreibarbeit jedes Mal den Tisch von sämtlichen Büchern und Unterlagen befreien, um in Ruhe zu essen?

Letztendlich findet sich aber für nahezu jede Raumkombination eine Lösung. Es braucht lediglich ein paar Tricks, etwas Phantasie und schon wird auch in Ihren vier Wänden aus geteilter Freude doppelte Freude:

Küche/Esszimmer

Kochen und Essen – diese Bereiche gehen wie von selbst ineinander über. Hinzu kommen praktische Aspekte: Denn wer spart sich nicht liebend gern einen langen Weg vom Herd an den Esstisch?

Eine L-förmige, in eine Ecke eingefasste Küche mit einem Esstisch in der Mitte des Raumes erweist sich als vorteilhaft. Wichtig ist, dass Sie im Vorfeld ausprobieren, wie viel Platz Esstisch und Sitzplätze einnehmen. Kalkulieren Sie ferner einen Bewegungsspielraum von rund 65 cm ein, um die Unter- und Oberschränke mühelos öffnen und den Herd bedienen zu können. Beidseitig zugängliche Regale oder Schränke sind zudem optimal, um Pfannen und Töpfe wie auch Geschirr und Besteck zu verstauen.

Küche/Wohnzimmer

Wie bei der Kombination Küche/Esszimmer ist auch hier der Platz das A und O. Wer hat schon Freude beim Kochen, wenn er sich kaum drehen und wenden kann? Und wer möchte noch Stunden nach dem Essen die Düfte z. B. von gebratenen Zwiebeln in der Nase haben? Eine leistungsstarke Dunstabzugshaube ist in dieser Raumkonstellation daher unabdinglich.

Des Weiteren stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Sie die Küche in das Wohnzimmer integrieren möchten oder ob Sie eine klare Unterteilung bevorzugen. Einen fliessenden Übergang erzielen Sie beispielsweise mit Möbeln, die farblich aufeinander abgestimmt sind, eine Trennung mit markanten Raumteilern. Doch egal, welche Variante Sie favorisieren – sorgen Sie für ein behagliches Ambiente und rücken Sie den Wohnbereich optisch ins Zentrum.

Küche/Arbeitszimmer

Diese Funktionen lassen sich am besten in einem entsprechend grossen Raum verbinden. Der Arbeitsplatz sollte dabei nicht nur weit entfernt von allen Küchenarbeitsflächen liegen, sondern so angenehm und anregend wie möglich gestaltet werden. Denn in einer dunklen Ecke mit Mikrowelle und Kaffeemaschine im Nacken sind Konzentration und Kreativität wahrscheinlich Fehlanzeige.

In puncto Büromobiliar eignen sich z. B. ein verschliessbarer Schrank mit herunter klappbarer Tischplatte sowie ein Stuhl, der perfekt auf dessen Höhe ausgerichtet ist. Für sporadische Schreibgelegenheit hingegen genügen unter Umständen bereits eine kleine Arbeitsplatte für den Laptop und ein Rollcontainer für die Unterlagen.

Arbeits-/Esszimmer

Diese Kombination empfiehlt sich vor allem, wenn Sie den Raum nur selten zum Essen nutzen oder aber nur hin und wieder zuhause arbeiten. Achten Sie darauf, dass Büro- und Esszimmer-Inventar ein harmonisches Ganzes bilden und der Bürocharakter nicht zu sehr dominiert.

Um Akten und sonstige Arbeitsutensilien schnell wegschaffen zu können, ist ausreichend Staufläche vonnöten. Und vielleicht zählen Sie einen bequemen Stuhl mit aufrechter Lehne zu Ihrem Fundus, der sowohl am Ess- wie auch Schreibtisch eine gute Figur macht. Wenn Sie für den Stuhl darüber hinaus noch mindestens 70 cm Platz vor dem Schreibtisch erübrigen können, so bringen Sie garantiert alles unter einen Hut.

Erst der Schlaf, dann die Arbeit.
Erst der Schlaf, dann die Arbeit.

Arbeits-/Schlafzimmer

Erst der Schlaf, dann die Arbeit. Getreu dieser Devise sollte der Arbeitsbereich auch in diesem Arrangement eine untergeordnete Rolle spielen und das Schlafen im Fokus sein. Mit einer dezenten Einrichtung, die Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, sind Sie daher gut beraten.

Ein Raumteiler in Form eines offenen Regals lässt nicht nur den Arbeitsbereich verschwinden, sondern auch die Büroordner und den Gutenacht-Krimi. Und wer es etwas luftiger mag, der findet vielleicht an einem dekorativen Falt-Paravent Gefallen. Natürlich immer unter der Voraussetzung, die aufgeteilten Bereiche fallen nicht zu klein aus und verursachen kein Gefühl der Enge.

Schlaf-/Badezimmer

Schlafen und Baden in einem Raum? Warum nicht. Ob Ihr Zimmer dafür prädestiniert ist und welche Installationen nötig sind, erfahren Sie von Ihrem Fachmann.

Bezüglich Raumaufteilung bietet sich eine Trennung zwischen beiden Funktionsbereichen an – sei es mittels einer Schiebetür oder eines Paravents. Und schon steht dem entspannenden Schaumbad nichts mehr entgegen. Doch damit nicht genug der Möglichkeiten: Wussten Sie, dass platzsparende Toiletten und Waschbecken auf dem Markt sind, die sich wunderbar in die kleinste Ecke einfügen?

Béatrice Ruef
Béatrice Ruef

Die Expertin zum Schluss

Räume, die verschiedene Funktionen in sich vereinen, brauchen vor allem eines: eine klare Struktur. Dies weiss auch Béatrice Ruef. Die Wohnpsychologin verrät, wie Sie eine sinnvolle Gliederung erzielen und den Räumen gleichsam eine gewisse Leichtigkeit verleihen.

Frau Ruef, was gilt es bei der Einrichtung eines Multifunktionsraumes zu beachten?

Das Wort multifunktional weist bereits darauf hin: In erster Linie müssen die Anforderungen an die Funktionen des Zimmers bestmöglich erfüllt werden. Zudem ist es lohnenswert, sich bei der Möblierung auf das zu beschränken, was tatsächlich notwendig ist und gefällt. Daraus folgt, dass bei der Wahl des Mobiliars besondere Sorgfalt und Aufmerksamkeit geboten sind – und dies unabhängig davon, ob Sie in der Brockenstube um die Ecke oder im Möbelhaus der Extraklasse einkaufen.

Ein Mehrzweckraum gewinnt optisch und praktisch, wenn man ihn gliedert. Mit welchen Mitteln gelingt dies?

Hierzu eignet sich beispielsweise ein flexibler Paravent. Ich selbst bevorzuge die textile Raumtrennung mittels Vorhängen oder anderen dekorativen Stoffen wie in einem Nomadenzelt. Aber auch beidseits zugängliche Regalelemente in jeder Höhe, ein niedriges Sideboard oder eine einfache Bank stellen Struktur her.

Eine strikte Aufteilung kann auch starr und statisch wirken. Was kann man tun, um die einzelnen Funktionselemente harmonisch miteinander zu verbinden und ein grosszügiges Raumgefühl entstehen zu lassen?

Wichtig sind Brücken von einem Funktionsbereich zum anderen. Dies können Dekorationsgegenstände sein wie z. B. ein Wandteppich, eine schön geformte Vase mit einer Blume bestückt, eine Keramikschale mit Früchten, eine aussergewöhnliche Leuchte. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Apropos Grenzen: Was sollte man bei der Gestaltung von multifunktionalen Räumen möglichst vermeiden?

Ganz klar: Unordnung und Chaos. Planen Sie stattdessen sorgfältig und setzen Sie auf durchdachte Möbel, die Ordnung schaffen.

Frau Ruef, vielen Dank für Ihre interessanten Tipps und Anregungen.

Buchtipps

  • Ilex Ness: «Vorher – nachher: Der grosse SCHÖNER WOHNEN Ratgeber»; Verlag Callwey
  • Barty Philipps: «Wohnen maximal. 500 Ideen für kleine Räume»; Verlag Callwey

Zusätzliche Informationen

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