Raumakustik verbessern

Geräusche, Klänge und Sprache nehmen wir Menschen mit dem Gehör war. Wie wohl wir uns in einem Raum fühlen, steht in engem Zusammenhang mit der Qualität der Raumakustik. Erfahren Sie, welche Massnahmen die gewünschte Wirkung erzeugen.

Eine Massnahme ist, weiche, textile Materialien in den Raum zu bringen.
Eine Massnahme ist, weiche, textile Materialien in den Raum zu bringen.

(ted) Wohnräume mit schlechter Raumakustik vermitteln ein unangenehmes Raumgefühl und wirken kalt. Sobald sich mehrere Personen darin unterhalten, entsteht ein erhöhter Lärmpegel und die Verständigung wird erschwert. Läuft dazu noch ein Radio oder Fernseher im Hintergrund, fühlt man sich durch den ständig hohen Geräuschpegel schnell einmal gestresst. Studien belegen, dass sich eine schlechte Raumakustik negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. Sie hat aber auch eine grosse Bedeutung für den perfekten Hörgenuss von Musik und Filmen.

Ebene Flächen und harte Materialien erhöhen den Nachhall

Die Gründe für eine schlechte Akustik sind meist in der Ausgestaltung und der Materialwahl eines Raumes zu suchen. Wände sind wichtige Reflexionsflächen, die je nach Material und Fläche eigene Eigenschaften aufweisen und die Raumakustik entscheidend beeinflussen.

«Die Architektur moderner Wohnräume mit grossen Volumen und schallharten Oberflächen wie Glas, Mauerwerk, Parkett oder Steinböden führen oft zu einer ungünstigen Raumakustik», erklärt Robert Attinger, diplomierter Akustiker und Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Akustik (SGA). Diese Materialien haben die Eigenschaft, Schallwellen nicht aufzunehmen, sondern zurück in den Raum zu werfen.

Béatrice Ruef, Wohnpsychologin und Einrichtungsexpertin, erklärt dieses Phänomen sehr bildhaft: «Man muss sich vorstellen, dass die Töne und Klänge wie Tennisbälle durch den ganzen Raum und von der Wand zum Boden und dann wieder zur Decke jagen, ohne gebremst oder geschluckt zu werden.» In diesem Fall ist es wichtig, Massnahmen zu ergreifen, die die Nachhallzeit der Schallwellen reduzieren und die Raumakustik auf ein angenehmes Niveau bringen. Das verbessert das Raumgefühl und vereinfacht die Kommunikation im Raum. In Arbeitsräumen wirkt sich das positiv auf die Produktivität aus und in Wohnräumen fühlt man sich behaglicher.

Textile Gestaltungselemente schaffen Abhilfe

Zuerst muss jedoch abgeklärt werden, wozu ein Raum verwendet werden soll. Denn je nach Verwendung des Raumes können ganz unterschiedlich lange Nachhallzeiten erwünscht sein. Für eine optimale Kommunikation braucht es andere Nachhallzeiten als im Wohnzimmer um sich wohlzufühlen. Je nach Raumverwendung gilt es, die Nachhallzeit zu optimieren.

Aus ihrer Beratungspraxis weiss Béatrice Ruef Folgendes: «Die erste Empfehlung an meine Kunden ist immer, weiche, textile Materialien in den Raum zu bringen. Beispielsweise indem man Teppiche verlegt, die Fenster mit Vorhängen bestückt, weiche Polster und Kissen im Raum unterbringt. Bleibt der Hall, kann man die Unterseiten von Stühlen und Tischen noch mit Auslegeware (Spannteppich) bekleben, mit weichem Flor.»

Wenn immer noch nicht die gewünschte Qualität der Raumakustik erreicht werden konnte, ist der Einsatz von absorbierenden Wand- oder Deckenverkleidungen ratsam.

Wand- und Deckenverkleidungen, Stellwände und Co.

Wenn immer noch nicht die gewünschte Qualität der Raumakustik erreicht werden konnte, ist der Einsatz von absorbierenden Wand- oder Deckenverkleidungen ratsam. Dabei ist eine Fachperson beizuziehen, die weiss, welche Produkte wo geeignet sind.

«Bei der Wahl der Materialien sind die Absorptionskoeffizienten α (Alpha) in den verschiedenen Frequenzbereichen zu beachten», erklärt Robert Attinger. «Der Grad der Absorption ist entscheidend für die Grösse der erforderlichen Fläche des eingesetzten Materials. Akustisch gute Materialien sind nicht unbedingt teurer. Materialien, die aber auch die gewünschten ästhetischen Kriterien erfüllen, haben aber oft einen höheren Preis.»

«Gute Resultate liefern zum Beispiel durchbrochene Wand- und Deckenverkleidungen in weichem Material wie Gips oder Holz, durchbrochen und mit schallschluckendem Vlies hinterlegt», sagt Ruef. Es werden aber auch Produkte aus Alu, Mineralfasern, Holzwolle, Textil und Kunststoff angeboten. Meist weisen die Paneele eine gelochte, geschlitzte, gerillte oder Reliefstruktur auf. Je nach Produkt und Gegebenheiten ist die Montage unterschiedlich und hängt vom gewählten Produkt ab.

Wandverkleidungen können ohne Probleme auch nachträglich noch montiert werden. Zudem bieten sie willkommenen Platz für Kabel, Rohre, Leitungen und andere verdeckte Installationen. Je nachdem sind sie sogar auch ein erwünschtes Gestaltungselement. Ein Raum kann dadurch optisch lebendiger wirken. Laut Béatrice Ruef sollte die akustische Wand - oder Deckenverkleidung einerseits ihre Funktion bestmöglich erfüllen, andererseits ins Konzept der Gestaltung passen. «Ein interessantes und lehrreiches Beispiel sind die Wandverkleidungen des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL).»

Bei offenen Grundrissen lassen sich mit Verkleidungen 'lautere' Räume wie Küche oder Bad gegenüber Räumen mit erhöhtem Ruhebedarf wie Wohn- oder Schlafraum abgrenzen.

Innerhalb von Wohnungen, vor allem bei offenen Grundrissen, lassen sich mit Verkleidungen und Trennwänden 'lautere' Räume wie Küche oder Bad ausreichend gegenüber Räumen mit erhöhtem Ruhebedarf wie Wohn- oder Schlafraum abgrenzen oder finden im Home-Cinema Verwendung.

ImagePoint (Christian Bullinger), KR Decken- und Wandelemente GmbH, TOPAKUSTIK Artikel drucken