Wohnstile: Skandinavisch einrichten und wohnen

Der hohe Norden versteht es wie kaum eine andere Region, in uns eine Sehnsucht nach Weite, Stille und langen, hellen Nächten zu wecken. Die gute Nachricht: Sie lässt sich auch bei uns stillen, gibt der skandinavische Wohnstil doch genau diesen Qualitäten Form.

Viel Fensterfläche, offene Grundrisse und helle Farben bringen Licht ins skandinavische Hausinnere.
Viel Fensterfläche, offene Grundrisse und helle Farben bringen Licht ins skandinavische Hausinnere.

(mei) Helle Nächte mit dem unverwechselbaren nordischen Licht prägen die Sommermonate in den skandinavischen Ländern. Umso dunkler ist es in der langen Winterzeit, während der die Sonne kaum oder nur kurz über dem Horizont erscheint, um die verschneite Landschaft zu grüssen. Diese für die nördlichen Breitengrade typischen Besonderheiten des Lichteinfalls sind für den skandinavischen Wohnstil bestimmend: Es gilt, das einfallende Tageslicht so gut wie irgend möglich zu nutzen.

Fiat lux – es werde Licht

Dies geschieht in erster Linie mit offenen Grundrissen, wie sie in Skandinavien denn auch schon lange existierten, bevor bei uns der offene Küchen- und Wohnbereich Einzug hielt. Mehr Raum heisst mehr potenzielle Fensterfläche im Raum, und das wiederum bedeutet mehr Licht. Besonders beliebt sind grossflächige, raumhohe Fensterverglasungen, die aufgrund der frostigen Kälte niedrige Wärmedurchgangskoeffizienten bzw. tiefe U-Werte aufweisen. Hinzu kommen Dachfenster, welche mit geschickter Lichtführung Helligkeit von der oberen Etage in das untere Stockwerk zu lenken vermögen.

Die herausfordernde Lichtführung erklärt auch die Vorliebe der Skandinavier und Skandinavierinnen für Weiss und Pastelltöne im Innenbereich: Helle Wände und Böden sorgen für eine gute Streuung des einfallenden Lichts. Holz wird deshalb ebenfalls bevorzugt in hellen Naturtönen oder in Weisstönen eingesetzt, während man dunkle Ausprägungen, wie sie für Parkettböden bei uns weit verbreitet sind, eher selten vorfindet.

Viel Holz – von der Konstruktion über den Bodenbelag bis hin zur Möblierung.
Viel Holz – von der Konstruktion über den Bodenbelag bis hin zur Möblierung.

Zurückhaltende Farbgebung

Dass das Wohnen im hohen Norden dennoch keine farblose Angelegenheit ist, liegt an den Accessoires. Im textilen Bereich sind dies Vorhänge und Zierkissen dekorierende Streifen-, Blumen- und Karomuster, die eine verspielte Note schaffen – das alles natürlich in dezenten Tönen. In diesem Zusammenhang nicht vergessen werden darf auch der bekannte Flickenteppich, der sich in Skandinavien grosser Beliebtheit erfreut und für so manchen Farbtupfer sorgt.

Akzente setzen ferner «Dinge, die man als Accessoires fürs Leben bezeichnen könnte: Gläser und Karaffen, Geschirr, Besteck, Kochutensilien, Eiskühler – Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Liebhaber der skandinavischen Moderne mögen es, ihr Zuhause bis in den letzten Winkel mit Stücken ausstatten zu können, die im Geiste der gesamten Stilrichtung erdacht wurden», schreibt Elizabeth Wilhide, Autorin zahlreicher Bücher über Innendesign. Diese in der Regel ausgesprochen formschönen «Dinge» machen nicht nur eine gute Figur, sondern bieten meist auch eine willkommene farbliche Abwechslung. Zwei Unternehmen mit einer in diesem Sinne typisch skandinavischen Produktepalette sind Iittala und Royal Copenhagen, wobei letztere vor allem mit ihren blau-weissen Geschirrserien im chicen Landhausstil punktet.

Kuschelig warm

Natur pur ist eine weitere Eigenschaft, die den europäischen Norden auszeichnet und die ihren Niederschlag verdientermassen im skandinavischen Wohnstil findet. Und das heisst viel Holz – von der Konstruktion über den Bodenbelag bis hin zur Möblierung. Damit nicht genug: Holz bestimmt auch die Saunen massgeblich mit, in denen die Skandinavierinnen und Skandinavier so gerne schwitzen, und kreiert als Brennmaterial in Öfen ein Ambiente der Behaglichkeit. Der rege Gebrauch von Kerzen zeugt ebenfalls von der Liebe zum Feuer und der damit verbundenen heimeligen Atmosphäre, die einen wohltuenden Kontrastpunkt zur ungastlichen nordischen Natur setzt.

Tipps für ein skandinavisches Ambiente

  • Streichen Sie geeignete Möbel mit weisser Farbe oder in einem Pastellton an.

  • Berücksichtigen Sie bei der Anzahl Möbel den Grundsatz weniger ist mehr.

  • Verbannen Sie knallige Farben weitgehend aus Ihren Räumen.

  • Setzen Sie bei Textilien auf romantische Blumenmuster mit viel Weiss oder sanfte Streifen- und Karomuster.

  • Platzieren Sie auf Regalen Gebrauchsgegenstände wie Gläser oder Vasen.

  • Sorgen Sie für eine durchwegs gute Beleuchtung ohne dunkle Ecken.

  • Dekorieren Sie auf unkomplizierte Weise, etwa mit einem Wiesenstrauss.

Empfehlenswerte Bücher

«Skandinavisch wohnen»

Elizabeth Wilhide

«Skandinavisch wohnen»

Callwey

ISBN: 978-3-7667-1780-1

Ein ausführlicher Band mit einem Who's Who der skandinavischen Designer, der die Merkmale des nordischen Wohnstils detailliert schildert und dessen Entstehungsgeschichte erklärt.

«Skandinavisch einfach. Sympathisch und natürlich wohnen»

Sara Norrman, Caroline Clifton-Mogg, Magnus Englund und Chrystina Schmid

«Skandinavisch einfach. Sympathisch und natürlich wohnen»

DVA

ISBN: 978-3-421-03328-9

Ein Bildband voller Beispiele, anhand derer die Autoren die ganze Palette des skandinavischen Wohnens anschaulich aufzeigen.

«Global Style. Wohninspirationen aus aller Welt»

Simone Knauss

«Global Style. Wohninspirationen aus aller Welt»

Callwey

ISBN: 978-3-7667-1806-8

Die Autorin gibt einen guten Einblick über 12 Wohnstile von den USA bis Japan, die sie mit konkreten Angaben zu Materialien, Farben und Accessoires illustriert.

Zusätzliche Informationen

«Skandinavisch einfach. Sympathisch und natürlich wohnen», DVA Artikel drucken